Airlines: Halal-Essen über den Wolken

Halal Essen bei Japan AirlinesJapan Airlines bietet Halal-Menüs in allen Klassen an. (Foto: Japan Airlines)

Die Halal-Vorschriften gelten auch in der Luft. Wir haben ausgewählte Fluglinien gefragt, ob sie Halal-Essen an Bord und in den Lounges anbieten. Es bleiben Fragezeichen.    

Pasta oder Chicken? Diese Frage ist ein Klassiker. Klar soll das Hähnchen an Bord einer Fluglinie schmecken, allerdings reicht es für Muslime nicht aus, dass in der servierten Mahlzeit kein Schweinefleisch oder Alkohol enthalten ist. Das Fleisch und die Zutaten müssen den Halal-Richtlinien entsprechen.

Bei vielen Airlines können die Passagiere Halal-Menüs bestellen, allerdings nicht immer auf jeder Strecke und in jedem Land. Zudem muss man bei einigen Fluggesellschaften das Wunschmenü aus logistischen Gründen spätestens 24 bis 48 Stunden vor Abflug ordern.

Iftar-Menü

Iftar-Menü bei der Emirates. (Foto: Emirates)

Emirates-Fluggäste müssen sich um Halal-Essen keine Gedanken machen. „Alle servierten Mahlzeiten sind halal und ohne Aufpreis“, heißt es von der Airline. Andere Sondermenüs müssten 24 Stunden vor dem Abflug vorbestellt werden. Im Emirates Flight Catering Center, der seinen Standort am Dubai International Airport hat, würden täglich 162.500 Gerichte für die Emirates und 24.500 für andere Linien produziert. Damit die Gerichte von der Herstellung bis zum Servieren halal bleiben, kaufe die Airline die Lebensmittel von zertifizierten Produzenten, lagere das Essen angemessen und berücksichtige sämtliche Halal-Vorschriften bei der Zubereitung der Speisen. Zudem müsse das Personal, das für halal verantwortlich ist, Fortbildungen absolvieren.

Auch bei der Qatar Airways sind sämtliche Speisen halal. Daher ist es nicht notwendig ein entsprechendes Gericht vorab zu ordern. Die Linie hat in Doha einen eigenen Caterer, die Qatar Aircraft Catering Company. Der Caterer stelle täglich 120.000 Essen her, so die Fluggesellschaft.

Essen bei Qatar Airways

Essen bei Qatar Airways. (Foto: Qatar Airways)

Halal-Menüs gibt es jedoch nicht auf jeder Strecke. So bietet Japan Airlines halal-zertifiziertes Essen in allen Klassen an. Es muss bis spätestens 24 Stunden vor Abflug bestellt werden. Die Speisen werden nur auf internationalen Flügen, die von Japan, Kuala Lumpur und Jakarta ausgehen, angeboten. Air France und KLM servieren Halal-Mahlzeiten auf allen Interkontinentalflügen und Flügen von und nach Algier, Athen, Budapest, Bukarest, Casablanca, Istanbul, Jerewan, Kiew, Moskau, Rabat, Sofia, Stockholm, Tunis und Tel Aviv. Bescheiden ist das Speise-Portfolio bei den Billig- und Charter-Airlines: „Ryanair bietet zurzeit kein Essen nach Halal-Regeln an“, sagt Robin Kiely, Head of Communications bei Ryanair. Sun Express versuche, den Wünschen nach Halal-Verpflegung an Bord nachzukommen, heißt es vom Ferienflieger.  „Auch wenn dies nicht in dem großen Umfang stattfinden kann wie bei Fluggesellschaften auf Langstrecken, vor allem aus Nah- und Fernost.“ Die Fluggesellschaft biete eine „halal-fähige“ Mahlzeit zum Kauf an. Dabei handle es sich um ein Pasta-Ratatouille-Gericht. Es werde komplett eingeschweißt an Bord gebracht und sei auf allen Strecken verfügbar. Frische Produkte, wie Simits und Sandwich mit Hähnchen, die auf den Flügen aus der Türkei heraus nach Europa beladen würden, enthielten Halal-Wurst und Halal-Käse und seien ebenfalls eingeschweißt.

Essen bei Japan Airlines

Essen bei Japan Airlines. (Foto: JAL)

Die Antwort der Lufthansa ist insofern interessant, da sie auf ein Problem bei der Kennzeichnung aufmerksam macht. Wir haben die Airlines gefragt, ob sie Essen nach islamischen Halal-Regeln anbieten. So muss das Fleisch halal-geschlachtet und die Zutaten halal-konform sein. „Lufthansa bietet im Rahmen des Special-Meal-Angebots lediglich Moslem-gerechte Sondermahlzeiten (MOML) an“, sagt Lufthansa-Pressesprecherin Sandra Kraft. Der Flugkonzern verwende nach islamischem Ritus geschlachtete Tiere oder daraus hergestellte Produkte wie Rind, Geflügel, Lamm oder Hammel. Sprich: kein Schweinefleisch. Allerdings seien die Produktionsabläufe in den weltweiten Catering-Betrieben nicht flächendeckend halal-konform. Daher könnte die Fluglinie keine „reinen“ halal-zertifizierten Mahlzeiten anbieten. Die Nachfrage der Passagiere für diese Gerichte scheint ohnehin gering zu sein: nur rund 0,2 Prozent der Fluggäste bestellen das „Moslem-gerechte“ Essen.

Doch wofür steht MOML? Welche Vorschriften gibt es für diese Mahlzeiten? Denn: entweder ist das servierte Essen halal oder nicht. So kann es keine zu 95 Prozent Halal-Speisen geben. Die Anfrage beim Weltluftverband IATA trägt nicht zur Aufklärung bei: „Wir haben keine Liste über die Sondermenüs der Airlines“, sagt Mona Aubin von der IATA. Die Fluglinien würden selbst entscheiden, welche Spezial-Mahlzeiten sie auf welcher Strecke anbieten. Das sei von dem jeweiligen Markt abhängig.

Nicht kundenfreundlich und wenig nachvollziehbar ist zudem, dass die Flugbranche für koscheres Essen den Code „KSML“ (Kosher meal) verwendet und für Muslime „MOML“, Muslim meal. Das Pendant zu koscher ist halal.

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

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