Albaraka Türk-Chef Utku: „Muslime der Generationen Y und Z sind digital-affin“

Melikşah UtkuAlbaraka Türk-Chef Melikşah Utku: Islamic Banking neues Geschäftsmodell. (Foto: Albaraka Türk)

Zinsfrei: Albaraka Türk startet in Europa mit einer digitalen Banking-App. Interview mit dem Bankenchef Melikşah Utku über Vertrauen, Marktanteile und die Solarisbank.

Zur türkischen Fassung des Interviews
Röportajı Türkçe okumak için tıklayın

Herr Utku, warum steigen Sie in Europa ins zinsfreie Digital-Banking-Geschäft ein?
Aufgrund von Sprachproblemen und der Religion ist die Beteiligung von Muslimen in Europa am Finanzsystem relativ niedrig. Gleichzeitig senden die Muslime, die zum Arbeiten nach Europa gegangen sind, sehr oft Geld in ihre Heimat. Leider gibt es für Muslime, die häufig Probleme mit der Sprache, den Zinsen und dem Geldtransfer erleben, keine passende Finanzlösung. Wir möchten weitere Schritte in Richtung unserer Vision als bestes Geldhaus für Islamic Banking machen und dass ist für uns besonders wichtig, wir möchten Islamic Banking global weiterentwickeln. Aus diesem Grund haben wir als Albaraka Beteiligungsbank unser digitales Insha-Projekt für Europa gestartet, um eine Lösung für Probleme türkischer Bürger und Muslime aus anderen Ländern anzubieten.

In diesem Projekt arbeiten Sie mit dem deutschen Fintech Solarisbank zusammen, warum?
In Europa leben zwanzig Millionen Muslime. Fast ein Viertel davon in Deutschland. Als wir die Zielgruppe für Insha analysiert haben, waren wir überzeugt davon, dass Deutschland der richtige Markt für den Einstieg ist. Wir haben zudem festgestellt, dass die Solarisbank der richtige Partner ist für unseren Finanzservice ist. Das Fintec verfügt über die notwendigen Genehmigungen  und Lizenzen der Deutschen Bundesbank. Wir nutzen die modulare Bankingplattform der Solarisbank, um in Europa unsere Dienstleistungen als islamische Bank anzubieten.

Welche Dienste werden Sie mit Ihrer digitalen Banking-App Insha anbieten und wann ist der Start?
Zunächst werden wir neben einem Konto, einer Debitkarte, auch die Möglichkeit Geld zu überweisen, anbieten. In einem weiteren Schritt werden wir weitere grundlegende Dienste des Islamic Banking einbinden. In der letzten Phase wollen wir eine Banklizenz erwerben, um sämtliche islamkonforme Bankprodukte anzubieten zu können. Wir werden den Muslimen zudem nicht nur Finanzleistungen anbieten. Geplant sind weitere Dienste wie Gebetserinnerungen, Moscheen-Karte und Zakat-Rechner. Wir haben somit das Ziel, unseren Kunden eine sozio-finanzielle Lösung anzubieten und wollen in der zweiten Jahreshälfte die ersten Kunden gewinnen.

Sind die Muslime in Europa für das Digitale vorbereitet?
Nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt sind die Muslime der Generationen Y und Z technikaffin und in der digitalen Welt zuhause. Das sehen wir an ihrer Begeisterung für soziale Medien und der Nutzung von digitalen Produkten. Diese Generationen sind zentraler Teil unserer Zielgruppe. Für sie ist die Nutzung digitaler Technologien eine Selbstverständlichkeit.

Wie wollen Sie das Vertrauen der Muslime in Deutschland gewinnen?
Albaraka Türk  hat in der Türkei eine Vorreiterrolle beim Islamic Banking. Die Bank wurde 1984 gegründet und hat eine Partnerschaft mit der Albaraka Banking Group und der Islamischen Entwicklungsbank. Die Kraft hinter Insha ist die Albaraka Türk. Die Gelder von den Insha-Konten werden bei einer Bank aufbewahrt, die von der Finanzaufsicht Bafin kontrolliert wird. Zudem sind Bankeinlagen innerhalb der Europäischen Union bis zu 100.000 Euro pro Kunde gesetzlich geschützt.

Der Marktanteil der islamischen Banken ist in den muslimischen Ländern gegenüber den konventionellen Banken eher gering. Was sind die Gründe dafür?
Islamic Banking ist im Vergleich zum konventionellen Bankwesen ein neues Geschäftsmodell. Konventionelle Banken sind seit etlichen Jahren weltweit aktiv, die Menschen haben sich an sie gewöhnt. Mit der Zeit werden die islamischen Banken ebenso die breite Masse erreichen. Sobald die Kunden das Geschäftsmodell verstehen und die islamischen Banken die Bedürfnisse der Kunden noch schneller erfüllen als herkömmliche Banken, dann wird ihr Marktanteil noch mehr steigen. So stellen wir aktuell fest, dass sowohl in der Türkei als auf der Welt die islamischen Geldhäuser noch schneller wachsen als konventionelle.

Denken Sie, dass Bankfilialen noch eine Zukunft haben? Wollen Sie zum Beispiel in Deutschland und anderen europäischen Ländern Filialen eröffnen?
Auch wenn das Digital Banking rasant wächst, wird es immer Bankfilialen geben. Kunden, die auf Einfachheit, Geschwindigkeit und Kosten achten, werden Digital Banking nutzen. Kunden, die auf soziale Beziehungen Wert legen, werden in die Bankfilialen gehen. Wenn wir in den kommenden Jahren entsprechende Kundenwünsche feststellen und mit unserem digitalen Angebot eine bestimmte Zahl an Kunden gewonnen haben, können wir uns durchaus vorstellen, stationäre Filialen in Deutschland zu eröffnen.

Warum haben Sie für die App den Namen Insha gewählt?
Insha bedeutet, machen und bauen. Als erste zinslose digitale Bank Europas dachten wir, dass der Name Insha gut zu unserem Angebot passt. Auch die phonetische Ähnlichkeit mit dem Wort Inşallah, das die Muslime im Alltag häufig verwenden für gute Wünsche und Erwartungen, hat uns gefallen. Nach einer Umfrage fiel die Entscheidung über den Namen Insha.

Interview: Kemal Çalık

 

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

Kommentare sind deaktiviert.