Alimentaria: Es muss nicht immer nur Halal-Kebab sein

Javier Albarracín: Millennials essen bewusster und sind eine interessante Zielgruppe für Halal-Produkte. (Foto: Kemal Calik)

Javier Albarracín, Leiter der Halal-Sektion der Lebensmittelmesse Alimentaria, wünscht sich mehr thailändische Halal-Gerichte, kennt das beste europäische Land für Halal-Produkte und macht sich Gedanken über die Zukunft der Halal-Messen.

Àgata Albero Miralbell und Javier Albarracín möchten auf der Expo Halal Alimentaria 2020 die Besucher überraschen. Miralbell verantwortet auf der Schau die Kochshows. Spitzenköche werden dann im April auf der Bühne traditionelle Gerichte aus Südafrika und Thailand kochen – alles halal, versteht sich.

 „Wir wollen damit zeigen, dass ein Halal-Gericht nicht immer nur Kebab sein muss“, sagte die Gastronomie-Expertin gegenüber HALAL-WELT auf der internationalen Alimentaria-Pressekonferenz in Barcelona. Gastronomie könne in einer vielfältigen Gesellschaft Brücken bauen. Daher könnten Restaurants zum Beispiel mit spanischer, thailändischer oder italienischer Küche durchaus auch Speisen anbieten, die entsprechend den muslimischen Essensvorschriften zubereitet wurden.

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Auf der Alimentaria wird auch täglich gekocht. (Foto: Alimentaria)

Javier Albarracín, Leiter der Halal-Sektion von Alimentaria und Chef von Barcelona Halal Services, ist zwar kein Muslim, dennoch engagiert er sich seit etlichen Jahren im globalen Halal-Business. „Soziale Bedürfnisse schaffen Geschäftsmöglichkeiten“, sagte Albarracín im Gespräch. Der Anteil der Muslime an der globalen Bevölkerung würde weiter zunehmen. Auch wachse die Mittelklasse in Ländern wie Malaysia, Marokko, Tunesien, Saudi-Arabien und Katar. Diese Menschen seien weltweit unterwegs. Diese Faktoren würden dazu führen, dass der globale Bedarf an Halal-Produkten steige.

Millennials wollen gesündere Lebensmittel

„Das Interesse von nichtmuslimischen Ländern wie Neuseeland, Brasilien und Australien an dem wachsenden globalen Halal-Markt nimmt weiter zu“, erzählte der Halal-Experte. „Und die Konsumenten sind nun mal – mehr denn je – digital“, so Albarracín. Millennials, die Jahrgänge zwischen 1980 und 2000, etwa in Singapur, Kuala Lumpur, Istanbul, London und New York, würden mehr auf gesunde, natürliche und nachhaltige Lebensmittel achten als die Generation zuvor. So würden sie nachfragen wie die Tiere gelebt haben, was sie gegessen haben, wie sie behandelt wurden.

Halal-Produkte seien beispielsweise nicht per se nachhaltig, sondern in erster Linie an die Bedürfnisse der muslimischen Konsumenten angepasst. Wenn aber immer mehr Halal-Produzenten auf globale Werte wie Nachhaltigkeit, Respekt gegenüber den Tieren und der Umwelt setzen würden, könnten sie auch nichtmuslimischen Konsumenten, insbesondere den Millennials, ihre Halal-Produkte verkaufen.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Muslime in Großbritannien sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern höher, meinte Albarracín. Daher habe Großbritannien die beste Auswahl an Halal-Produkten und es gäbe zahlreiche Halal-Restaurants. Nicht nur in London sondern auch in Städten wie Birmingham und Manchester. Zudem gäbe es etliche muslimische Influencer und Apps.

Javier Albarracín: Spanien exportiert Halal-Fleisch und Süßigkeiten

Die wichtigsten Halal-Produkte, die Spanien für das In- und Ausland produziert, sind Fleisch und Fleischprodukte, Süßigkeiten und Gebäck, informierte Albarracín. Auf der Expo Halal Alimentaria würden in diesem Jahr vom 20. – 23. April nationale und internationale Aussteller ihre Halal-Waren zeigen, auf dem Kongress werde über die globalen Halal-Trends diskutiert. Eingeladen seien auch Influencer, die über die digitalen Angebote für Muslime sprechen würden.

Wie sieht Javier Albarracín die Zukunft der Halal-Messen, die es in jedem Kontinent gibt? „Die Zahl der entsprechenden Messen ist in den letzten Jahren inflationär gestiegen“, sagte er. Der Experte ist überzeugt, dass es nicht genügend Platz für so viele Halal-Messen gibt. Die Frage sei, ob man eher eine Halal-Schau nur für muslimische Verbraucher organisiert oder das Thema Halal als Sonderschau im Rahmen von größeren Messen durchführt, wie zum Beispiel auf der Alimentaria. Für Albarracín ist die Integration von Halal-Messen der bessere Weg, um neue Kunden zu gewinnen.