Aufbruchstimmung in Indonesien

Blick auf die Metropole Jakarta. (Foto: Ministry of Tourism and Creative Economy, Republic of Indonesia)Blick auf die Metropole Jakarta. (Foto: Ministry of Tourism and Creative Economy, Republic of Indonesia)

In diesem Jahr legt Indonesiens Wirtschaft nur um 4,7 Prozent zu. Für das große südostasiatische Land ist das schon eine kleine Krise. Nun zieht die Regierung die Notbremse. Im kommenden Jahr soll der Umschwung kommen.

Indonesiens Wirtschaft gleicht einem Supertanker: Beschleunigen, Bremsen und Kurskorrekturen brauchen viel Zeit, bevor sie sich tatsächlich bemerkbar machen. So verlor die Konjunktur zwischen 2011 und 2014 sehr langsam, aber stetig an Schwung: Die reale Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fiel laut Angaben des nationalen Statistikamtes BPS von 6,5 auf 5 Prozent. Für dieses Jahr zeichnet sich ein Wert von 4,7 Prozent ab. Das meldet die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, Germany Trade & Invest (GTAI).

Doch 2016 wird – darin sind sich Regierung, Banken und Forschungsinstitute einig – der Umschwung kommen, so die GTAI. Der im Oktober 2014 angetretene Präsident, Joko Widodo, treibt demnach den Ausbau der veralteten und unterdimensionierten Infrastruktur voran. Das sorgt für eine Art Sonderkonjunktur. Mittelfristig soll das Wirtschaftswachstum dadurch auf sieben Prozent steigen.

Doch zugleich fuhr die Widodo-Administration in ihren ersten Amtsmonaten eine nationalistisch-protektionistische Wirtschaftspolitik. Ein neues Halal-Gesetz etwa fiel strenger als in vielen arabischen Ländern aus, und seit Sommer 2015 darf jeglicher Zahlungsverkehr innerhalb Indonesiens nur noch in der Landeswährung Rupiah abgewickelt werden. Ein nationaler Standard wurde für immer mehr Warengruppen obligatorisch. Außerdem verschärften die Behörden die Visapolitik für im Land arbeitende Ausländer.

Vor allem letztere Maßnahme löste einen wahren Exodus von Menschen und Kapital aus. Die Regierung zog deshalb Ende Oktober 2015 die Notbremse. Sie annullierte ein erst wenige Monate altes, extrem restriktives Immigrationsgesetz. Dabei blieb allerdings unklar, welche Bestimmungen zukünftig gelten. Zudem lud sie ausländische Handelskammern und Botschaften zu Gesprächen bezüglich einer Lockerung der Investitionsgesetze für internationale Kapitalgeber ein.

Der Konsum stellt traditionell die wichtigste Stütze der indonesischen Konjunktur dar. Er wuchs zwischen 2011 und 2014 real um jeweils gut fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die privaten Verbraucher steuerten im vergangenen Jahr insgesamt 56 Prozent zur BIP-Verwendung bei. Allerdings lag das BIP pro Kopf letztes Jahr immer noch bei unter 4.000 US-Dollar. Ein Großteil der privaten Konsumausgaben entfällt auf den Bereich Nahrungsmittel und Getränke.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.