Biologisch, fair und halal

Peter Bungenberg spricht auf der Anuga über die Chancen von Halal-Produkten. (Foto: Kemal Calik)Peter Bungenberg: "Halal ist gut für den Körper und Geist." (Foto: Kemal Calik)

Halal-Produkte unterscheiden sich geschmacklich und qualitativ nicht von herkömmlichen Waren. Daher sollte man sie aufwerten und möglichst auch nachhaltig und fair produzieren. Dann sind Halal-Lebensmittel auch für deutsche Verbraucher interessant.

„Der wichtigste Unterschied in der Ernährung zwischen Christen und Muslimen liegt darin, dass es ein Verbot und eine streng einzuhaltende Vorschrift im Islam gibt, im Christentum hingegen gibt es keine eindeutige Vorgabe“, sagte Peter Bungenberg, Geschäftsführer des Bureau Bungenberg und Mitbegründer des Foodhouse Germany, auf der vierten europäischen Halal-Konferenz, die in Köln anlässlich der Ernährungsmesse Anuga stattfand. „Christen dürfen alles essen, Muslime ernähren sich Halal.“

Halal sei demnach die muslimische Vorschrift über den Umgang und Verzehr von Speisen, die im Ursprung im Koran festgelegt und über Jahrzehnte verfeinert worden sei. „Entscheidend ist hierbei die Unterscheidung in erlaubte und nicht erlaubte Speisen“, so Bungenberg.

Doch gehe Halal vom Ursprung einen Schritt weiter. Halal beziehe sich nicht nur auf das Erlauben von Speisen, sondern auch auf deren Herstellung, Verarbeitung und Verwendung. Darüber hinaus sei Halal ein Codex, der den Umgang von Menschen miteinander und untereinander regelt. „Halal ist alles, was gut für den Körper und Geist ist“, erklärt der Food-Experte.

Halal können auch Deutsche vertrauen

Dennoch stelle sich die Frage, ob der deutsche Markt überhaupt Halal braucht. Seine Antwort ist: nein. „Qualitativ und auch geschmacklich gibt es bei den Halal-Produkten nichts, was es in Deutschland im allgemeinen Warenangebot gibt“, findet Bungenberg. Zudem könne man geschmackliche Unterschiede auch an nicht Halal-Produkte angleichen.

Welche Chancen hat dann noch Halal hierzulande? Halal habe Chancen auf dem deutschen Markt, wenn die verwendeten Rohstoffe etwa ohne Pestizide hergestellt würden, so der Experte. Die bedeute nicht gleich Bio, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den natürlichen Ressourcen. Ferner müssten die Lebensmittel natürlich und fair produziert werden.

Wenn Halal letztendlich nicht nur die Regeln des Glaubens beachtet, sondern weit darüber hinaus geht, indem die Produkte natürlich und fair hergestellt werden, würden auch deutsche Kunden die Produkte kaufen, da sie ihnen vertrauen. Dann ist Halal nicht nur gut für Muslime („good halal“), sondern auch für deutsche Verbraucher.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.