Deutsche Lebensmittel für die Golfregion

Dalia Abu Samra-Rohte, stellvertretende Geschäftsführerin der AHK VAE.Dalia Abu Samra-Rohte, stellvertretende Geschäftsführerin der AHK VAE, in Hannover. (Foto: Kemal Calik)

Die Golfstaaten müssen den größten Teil der Nahrungsmittel importieren. Das macht sie zu einem interessanten Markt für deutsche Produzenten. Allerdings sind einige Vorbedingungen zu erfüllen. Eine ist Halal-Zertifizierung.

In den meisten Golfstaaten deckt die lokale Nahrungsmittelproduktion nicht den Bedarf. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) importieren 90 Prozent ihrer Lebensmittel, sagte Dalia Abu Samra-Rohte, stellvertretende Geschäftsführerin der AHK VAE in Abu Dhabi, auf dem Forum „Exportförderung für die Agrar- und Ernährungswirtschaft – Golfstaaten“ der IHK Hannover. Vor allem Fleisch, Speiseöl, Reis, Zucker und Getreide würden im Ausland eingekauft. Das Land sei auch der drittgrößte Re-Exporteur von Lebensmitteln, nach Hong Kong und Singapur.

Für Samra-Rohte sind Bioprodukte in den VAE ein Wachstumsmarkt. Wurden vor vier Jahren Bio-Produkte im Wert von 16,3 Millionen US-Dollar verkauft, würde der Absatz in diesem Jahr voraussichtlich 21,1 Millionen US-Dollar betragen.

Unternehmen, die in die Emirate liefern möchten, müssen auch die Halal-Regeln beachten. So würde neuerdings die nationale Standardisierungsbehörde, die Emirates Standardization and Metrology Authority (ESMA), zertifizieren und Zertifizierer akkreditieren, so die Expertin. Eine Halal-Zertifizierung sei etwa für Nahrungsmittel und Produkte mit tierischen Inhalten, Kosmetika und Medikamente notwendig. Zudem wolle sich Dubai als Zentrum der islamischen Wirtschaft etablieren. In Dubai sei ein „Halal-Cluster“ geplant.

Bio „Made in Germany“

Liegt die Selbstversorgungsrate in den VAE bei rund 20 Prozent, ist die Quote in Qatar 10 Prozent. Das Land muss 75 Prozent aller Lebensmittel importieren, vor allem aus den VAE, Saudi Arabien und Deutschland. Samra-Rohte ist sich sicher, dass der Nahrungsmittelverbrauch in Qatar durch das hohe Bevölkerungswachstum weiter steigen wird. Die Nachfrage nach Bioprodukten sei auch in Qatar vorhanden. Lokale Supermärkte wie Spinney’s, Carrefour und Monoprix würden ihr Sortiment an Bioprodukten weiter ausbauen. Bei Carrefour und Monoprix könne man Bio-Lebensmittel aus Deutschland kaufen.

Omans wichtigster Nahrungsmittellieferant seien die VAE, so Samra-Rohte. Der Großteil der einheimischen Bevölkerung und der Wanderarbeiter aus Asien verfüge über ein geringes Einkommen. Daher könnten sich die teureren deutsch-europäischen Produkte eher die Fachkräfte aus dem Westen leisten.

Im Königreich Saudi-Arabien ist die Saudi Arabische Lebensmittel- und Arnzeibehörde (Saudi Food and Drug Authority – SFDA) für die Lebensmitteleinfuhr zuständig. Sie ist unter anderem für die Sicherheit, Qualität und die Zertifizierung von Produkten verantwortlich. „Lebensmitteleinfuhren werden grundsätzlich an den Einfuhrzollstellen von SFDA-Kontrolleuren überprüft“, berichtete Kim J. Zietlow, stellvertretender Delegierter der deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen. Für tierische Produkte müssten die Importeure ein Halal-Schlachtzertifikat vorlegen. Tabu seien Produkte, die Schwein enthalten, zum Beispiel Leder. Ebenso alkoholische Produkte (etwa in Medikamenten) und Waren aus Israel.

Hochwertige Lebensmittel gefragt

In Saudi-Arabien und Bahrain würde der Nahrungsmittelbedarf aktuell vor allem von einem hohen Bevölkerungswachstum, steigenden Einkommen, einem Trend zu höherwertigen Nahrungsmitteln und der schnell wachsenden Nachfrage bei „Convenience Food“ getrieben. Zietlow sieht insbesondere bei Energie- und Sportgetränken wie bei Nahrungsergänzungsmitteln einen Wachstumsmarkt.

Ein wichtiger Importeur ist die Ghassan Ahmed Al Sulaiman Trading Company (GAAST) mit Sitz in Dubai. Das Unternehmen vertreibt europäische und US-amerikanische Produkte beispielsweise an Hotels, Airlines, Tankstellen, Großhändler, Supermärkte und Krankenhäuser. „Ferner werden die Waren via Re-Export in angrenzende Länder des Mittleren Ostens und Afrika geliefert“, erzählte der Managing Director Mazen Khourdaji von GAAST auf der Tagung. Zur Palette des Importeurs würden unter anderem die deutschen Marken Granini, Tchibo, Teekanne, Coppenrath, Kölln Müsli und Feinkost Dittmann gehören.

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.