Deutschland: Medizintourismus im Sinkflug

MedizintourismusMedizintourismus in Deutschland boomt nicht mehr. (Foto: Unsplash)

Der Medizintourismus nach Deutschland stagniert: Seit Ende 2016 gehen die Patientenzahlen aus dem arabischen Raum und Russland zurück. China und der Iran sind als neue Märkte im Fokus.

2015 ließen sich mehr als 255.000 Patienten aus 177 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln und bescherten dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von über 1,2 Milliarden Euro. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr betrug nur 1,4 Prozent. Dies ist die geringste Wachstumsrate seit über zehn Jahren, teilt der Ex­per­te Jens Ju­szczak von der Hoch­schu­le Bonn/Rhein-Sieg mit­.

Russland, das bisher wichtigste Herkunftsland für Medizintouristen, verzeichnete demnach einen Rückgang von 32,4 Prozent; aus der Ukraine und Kasachstan kamen rund 17 Prozent weniger Patienten. Die sinkenden Behandlungszahlen seien Auswirkungen der schlechten Wirtschaftslage. Steigende Verbraucherpreise durch den Verfall des Rubels, den niedrigen Ölpreis sowie die EU-Sanktionen wirkten sich auch auf die medizinischen Auslandsreisen aus.

Die geringe positive Entwicklung der Patientenzahlen aus dem Ausland würden die Kliniken vor allem einer größeren Nachfrage aus Europa und den arabischen Golfstaaten verdanken. Letztere verzeichneten mit 17 Prozent das höchste Wachstum, getragen vor allem durch Saudi Arabien (plus 34 Prozent) und Kuwait (plus 19 Prozent). Dass diese Entwicklung stabil sein werde, ließe sich anhand der starken Volatilität in der Vergangenheit bezweifeln.

„Bereits seit Ende 2016 brechen die Patientenzahlen aus dem arabischen Raum ein“, so Juszczak. „Auslöser seien eine deutliche Verringerung der finanziellen Mittel für Auslandsbehandlungen in vielen Golfstaaten, strukturelle Veränderungen in den Botschaften und Konsulaten sowie der Skandal um die internationale Abteilung des Klinikums Stuttgart.

Um einem weiteren Nachfrageeinbruch aus den etablierten Herkunftsländern entgegenzuwirken, gelte es, die Marketingkommunikation dort zu intensivieren und auch neue Märkte (China, Iran) zu entwickeln.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.