Dr. Oetker: Halal-Pizzen nur für den Export

PizzaDr. Oetker produziert in Deutschland Halal-Pizzen für die Welt. (Foto: Unsplash)

Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker produziert in Deutschland und in der Türkei halal-zertifizierte Pizzen. In Deutschland werden sie nicht angeboten. Zu wenig Nachfrage, sagt der Bielefelder Hersteller.

„Dr. Oetker stellt in Deutschland bereits seit 2008 halal-zertifizierte Produkte her“, sagt Matthias Hanigk, Pressesprecher der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG. Es handele sich hierbei um Pizzen aus dem Ristorante-Sortiment, die in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern sowie Australien erhältlich seien: Spinaci, Vegetale, Mozzarella, Quattro Formaggi, Funghi, Formaggi & Pomodori, Tonno, Pepperoni halal, Hawaii halal und Speciale halal.

Die Produkte würden auf der Rückseite einen Halal-Siegel tragen. Für die Zertifizierung sei Halal Quality Control (HQC) verantwortlich. „Weitere Pizzen mit Halal-Zertifizierung werden in unserem Werk in der Türkei hergestellt und sind ausschließlich für den dortigen Markt sowie die Region um den Persischen Golf bestimmt“, informiert Hanigk.

In Deutschland leben mehr als fünf Millionen Muslime. Ihr Anteil wird laut Studien weiter steigen. Bietet der Lebensmittelkonzern die Halal-Produkte auch auf dem Heimatmarkt an? „In Deutschland und dem europäischen Ausland bieten wir diese halal-zertifizierten Artikel leider nicht an“, sagt der Sprecher. „Die Nachfrage nach Artikeln mit explizitem Halal-Zertifikat war bisher recht gering“, erklärt Hanigk. Die Bielefelder würden die Entwicklungen auf dem deutschen Lebensmittelmarkt jedoch sehr genau beobachten und sich mit dem Produktangebot stets an den Wünschen und Bedürfnissen der Mehrheit der Verbraucher orientieren. „Somit werden wir auch den Markt für halal-zertifizierte Produkte im Blick behalten und die Relevanz für Dr. Oetker immer wieder überprüfen“, sagt der Unternehmenssprecher.

„Halal“-geeignete Produkte im Sortiment

Kunden, die halal-zertifizierte Produkte des Lebensmittelkonzerns kaufen wollen, müssen in diese Länder reisen: Türkei, Irak, Bahrain, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Jordanien, Libanon, Singapur, Malaysia, Vietnam, Indonesien, China, Hong Kong, Südkorea, Pakistan, Australien, Südafrika und Ghana.

Dennoch scheint der Konzern das Thema Halal auch in Deutschland nicht komplett außer Acht zu lassen: Auf der Webseite des Unternehmens werden die Konsumenten darüber informiert, welche Produkte kein Schweinefleisch und keinen Alkohol enthalten. Zudem werden die Verbraucher im Lebensmittel-Lexikon über halal und haram aufgeklärt. „Im deutschen Dr. Oetker-Sortiment gibt es eine Vielzahl an Produkten, die aufgrund ihrer Zutaten halal-geeignet sind“, berichtet Hanigk. Sie würden kein Schwein beziehungsweise keine Erzeugnisse daraus enthalten, keinen Alkohol – auch nicht in Aromen – und keinen Branntweinessig. Außerdem seien keine Zusatzstoffe tierischen Ursprungs in den Erzeugnissen.

„Dabei verfügen allerdings weder die Produkte noch die einzelnen Zutaten über eine Halal-Zertifizierung“, stellt der Sprecher klar. Auch könne der Hersteller nicht gewährleisten, dass die Artikel räumlich separiert vom regulären Sortiment produziert und transportiert würden.

Produktübersicht Dr. Oetker: ohne Schwein und ohne Alkohol

Auf der Faltschachtel „Dr. Oetker Culinaria Lahmacun Style“, die in Deutschland, den Benelux-Staaten sowie Dänemark verkauft wird, ist in einer Ecke eine Moschee abgebildet. Auf der Facebook-Plattform der türkischen Lebensmittelhändler und -Hersteller in Europa haben sich Nutzer vor einigen Wochen über das Marketing mit einem Moschee-Motiv empört. Was sagt der Konzern dazu?

„Mit dem Pizzasortiment Culinaria bietet Dr. Oetker Pizzagenuss mit landestypischen Auflagen“, erläutert Hanigk. Um diese landestypischen Geschmäcker auch optisch zu unterstreichen, seien auf den jeweiligen Verpackungen landestypische Gebäude und Gegebenheiten abgebildet. Hierbei handele es sich um Objekte, die von der Mehrheit der Verbraucher mit diesen Ländern in Verbindung gebracht würden. „Es liegt dem Unternehmen fern, religiöse oder kulturelle Gefühle zu verletzen“, betont der Sprecher.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.