Europa: Nähwertdeklaration wird Pflicht

NährwertangabenKünftig müssen die Nährwertangaben abgedruckt werden. (Foto: Pixabay)

Ab 13. Dezember werden die Nährwertangaben auf verpackten Lebensmittelpackungen in Europa Pflicht. Die Verbraucherzentrale freut sich darüber – und übt dennoch Kritik. Die Kennzeichnung wird bereits von vielen Unternehmen umgesetzt, sagt die deutsche Lebensmittelwirtschaft.

Wie viel Zucker ist im Joghurt, wie viel Salz in den Chips? Viele Verbraucher wollen sich gesund ernähren und prüfen die Nährwertangaben auf Verpackungen genau. Bisher waren diese Angaben, die „Big Seven“, weitestgehend freiwillig. Ab dem 13. Dezember sind sie für Hersteller Pflicht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die neuen Vorgaben.

Auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, ist für die neue Informationspflicht: „Die Nährwertkennzeichnung ist eine wichtige Grundlage für eine bewusste Kaufentscheidungen der Konsumenten. Aus diesem Grund haben viele Unternehmen in Deutschland die Nährwertkennzeichnung schon freiwillig umgesetzt“, betont Peter Loosen, Leiter des Brüsseler Büros und Geschäftsführer des BLL.

Dennoch kritisiert die Verbraucherzentrale die neue Regelung. Durch einheitliche Nährwerttabellen und gleiche Bezugsgrößen werde es Verbrauchern zwar erleichtert, Produkte einer Warengruppe miteinander zu vergleichen, Verbraucher könnten jedoch auch künftig nicht auf einen Blick erkennen, ob der Gehalt an Fett, Zucker oder Salz hoch, mittel oder niedrig zu bewerten ist, so die Verbraucherzentrale. „Um eine schnelle Orientierung und verbraucherfreundliche Regelung sicherzustellen, braucht es Instrumente wie zum Beispiel die Nährwertampel“, sagte Sophie Herr, Leiterin Team Lebensmittel beim vzbv.

Verbraucherzentrale kritisiert Ausnahmeregelungen

Die verpflichtende Nährwertkennzeichnung gilt grundsätzlich nur für vorverpackte Ware. Lose Ware und Lebensmittel, die zum unmittelbaren Verkauf vorverpackt werden, wie Pralinen oder Teegebäck, sind von der Regelung ausgenommen. Eine Ausnahme bilden auch alkoholische Getränke – angesichts der erheblichen Energiedichte eine nach Ansicht des vzbv höchst fragwürdige Entscheidung. „Der vzbv fordert, dass die Europäische Kommission diese Ausnahmeregelung aufhebt“, so Herr. Schließlich stehe diese dem Ziel entgegen, Verbrauchern eine informierte Kaufentscheidung zu ermöglichen.

Der vzbv setzt sich grundsätzlich dafür ein, dass Verbraucher erkennen können, welche Produkte ihren Wünschen entsprechen. Verbraucher kaufen zunehmend gerne Lebensmittel mit dem „besonderen Plus“ für die Gesundheit. Deshalb fordert der Verband für Lebensmittel, die mit Gesundheitsaussagen (Health Claims) werben, Nährwertprofile endlich einzuführen. Das sind Obergrenzen für Zucker-, Fett-, und Salzgehalt, die ein Lebensmittel nicht überschreiten darf, wenn es einen Health Claim trägt.

Die Einführung wurde bereits 2006 beschlossen, aufgrund von Gegenwind aus der Ernährungswirtschaft jedoch noch nicht umgesetzt. „Immer mehr Verbrauchern ist eine bedarfsgerechte Ernährung wichtig. Die verpflichtende einheitliche Nährwertkennzeichnung ist deshalb ein großer positiver Schritt. Sie darf aber nicht als Argument verwendet werden, um die Einführung von Nährwertprofilen weiter aufzuschieben oder gar abzuschaffen“, fordert Sophie Herr.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.