Europäische Städte buhlen um muslimische Urlauber

Karte MünchenNach München reisen viele arabische Touristen. (Foto: Camilla Bundgaard / Unsplash)

Der Halal-Tourismus ist ein stark wachsendes Segment in der globalen Reiseindustrie – und sehr lukrativ. Europäische Städte und Luxushotels stellen sich daher zunehmend auf die Wünsche der Zielgruppe ein.

Halal Tourismus ist stark im Aufwind. Erst kürzlich hatte die ITB Berlin eine Zusammenarbeit mit der ITW in Abu Dhabi verkündet. Dabei handelt es sich um die weltweit führende Fachmesse rund um Reisen speziell für muslimische Urlauber. Schaut man sich die Bevölkerungszahl wachsender Quellmärkte an, wird schnell klar, warum dieses Reisesegment so rasch an Bedeutung gewinnt. So hat Indonesien beispielsweise rund 250 Millionen Einwohner.  Ein Großteil davon gehört dem muslimischen Glauben an. Die Mittelschicht – und somit auch die Zielgruppe für die Tourismus-Industrie – wächst, teilt die ITB Berlin mit.

Die Urlauber aus diesen Ländern ergänzen demmnach eine Gruppe von Reisenden, auf die sich die Branche schon vor Jahren begann, einzustellen: Gäste etwa aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien. Sie alle haben spezielle Anforderungen an ihre Reisen – in besonderem Maße an die Hotelindustrie. In der Region des Mittleren Ostens zum Beispiel trägt die Hotelkette Rotana mit ihrer Marke Rayhaan bereits dem Trend Rechnung.

Hierzulande haben sich, so die ITB,  insbesondere Luxus-Hotels wie etwa der Breidenbacher Hof in Düsseldorf entsprechend auf die Wünsche der Zielgruppe eingestellt. Pfeile an der Zimmerdecke zeigen beispielsweise an, in welcher Richtung Mekka liegt, neben der Bibel gibt es einen Koran im Zimmer und Buffets umfassen Speisen, die den Essengewohnheiten muslimischer Gäste entsprechen.

Ranking für Halal-Tauglichkeit

Diese Besonderheiten werden hauptsächlich in europäischen Städten berücksichtigt, die vor allem im Sommer von muslimischen Reisenden besucht werden, wie München, Düsseldorf, Zürich oder London. Auch Ferndestinationen wie Thailand richten sich zunehmend auf die Zielgruppe ein. Für sie zum Beispiel wichtig: Einen Poolbereich anzubieten, der speziell für Frauen reserviert ist. Die Entwicklung der Länder lässt sich anhand des jährlichen Rankings von Crescent Rating ablesen. Diese Institution prognostiziert für das Jahr 2020 ein jährliches Umsatzvolumen für die Branche von rund 200 Milliarden US-Dollar bei rund 168 Millionen Reisenden.

Das aktuelle Ranking unterteilt Länder in muslimische und nicht-muslimische Länder. In der ersten Kategorie gelten Malaysia, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien sowie die Türkei als führend. Unter den nicht-muslimischen Ländern stehen Singapur und Thailand an der Spitze. In Europa ist Großbritannien laut Ranking am besten auf die Bedürfnisse eingestellt. Punkten konnten zudem Südafrika, Hong Kong und Japan. Deutschland landet in dieser Studie auf Platz 11.

Neben Hotels und Destinationen sehen auch Reiseveranstalter Potenzial im Halal Tourismus. In Deutschland leben rund vier bis fünf Millionen Muslime. Bei ihren Auslandsreisen stellen sie oftmals spezielle Anforderungen an ihr Hotel. Das Unternehmen HalalBooking etwa bietet bereits seit 2009 Reisen für die Zielgruppe an.

Nicht zuletzt trägt der sogenannte Hadsch-Tourismus maßgeblich zum jährlichen Gesamtvolumen dieser Tourismus-Sparte bei. Viele Muslime verspüren die Pflicht, zumindest einmal im Leben nach Mekka oder Media zu pilgern. Insbesondere zum kürzlich beendeten Fastenmonat Ramadan erhöhten die Fluggesellschaften wieder massiv die Anzahl verfügbarer Sitze. Mit Anbietern wie Muslime Reisen haben sich auch Unternehmen in Deutschland auf diese Art von Reisen spezialisiert.

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