Fleischindustrie: Wachstum in gesättigten Märkten

Jan Wilhelm
Jan Wilhelm (links) von der NIBC-Bank im Gespräch. (Foto: Thomas Fedra / dfv)

Der EU-Fleischmarkt ist weitgehend gesättigt. Die größten Wachstumspotenziale gibt es für die Hersteller in den Entwicklungsländern.

„Die Schlachtindustrie wird von wenigen nationalen und internationale Unternehmen dominiert“, sagte Jan Wilhelm von der niederländischen NIBC-Bank auf dem Deutschen Fleischkongress in Wiesbaden. Sie sei sehr abhängig von Schwankungen der Rohstoffpreise, vor allem bei Soja und Weizen. Der Experte sieht für die Branche Wachstumschancen insbesondere in den Entwicklungsländern. Während die Industrieländer im vergangenen Jahr pro Kopf 75 Kilogramm Fleisch gegessen hätten, betrug diese Zahl für die Entwicklungsländer 35 Kilogramm.

Eine starke Konzentration stellt Wilhelm auf für den Lebensmittelhandel (LEH) fest. Die fünf größten Einzelhändler würden 80 Prozent des deutschen Marktes abdecken. Er sieht Wachstumspotenzial vor allem in kleineren Convenience-Formaten. Als Beispiele nannte der Banker Spar Express, Rewe City und Albert Heijn To Go.

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Die Fleischverarbeitung sei in Deutschland und Europa sehr stark fragmentiert. Sie seien gegenüber Schlachtunternehmen und dem LEH in einer schwachen Verhandlungsposition, ihre Eigenkapitalausstattung oftmals „dünn“. Zudem würden außereuropäische Wettbewerber die Verarbeiter bedrohen.

Dennoch sieht Wilhelm für die deutschen Hersteller im globalen Geschäft Chancen. Die Betriebe würden über ein hohes Hygiene- und Qualitätslevel verfügen, hätten ein breites Produktspektrum und das Ausbildungsniveau sei hoch.  Negativ seien die hohen Produktionskosten und der schwierige Zugang zu Finanzmitteln.