Foodwatch: Jedes vierte Nutztier ist krank

HuhnIst dieses Huhn gesund oder krank? (Foto: John Towner / Unsplash)

Milch, Fleisch und Eier stammen in Deutschland oft von kranken Nutztieren, sagt Foodwatch. Auch Bio-Lebensmittel sind betroffen. Die Verbraucherschutzorganisation fordert daher strengere Tierschutzgesetze.

„Sie finden im Supermarkt keinen Hinweis darauf, ob das Tier gesund oder krank war“, sagte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Foodwatch-Geschäftsführer, bei der Vorstellung seines Buches „Das Schweinesystem – Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden“ in Berlin.

Demnach stammen Lebensmittel mit tierischen Zutaten zu einem großen Teil von kranken Nutztieren. Etwa jeder zehnte Liter Milch stamme von einer Kuh mit entzündetem Euter. Schlachthofbefunden zufolge habe jedes zweite Schwein an haltungsbedingten Krankheiten gelitten. Statistisch gesehen wäre zudem mindestens jedes vierte Hähnchen vorher ein kranker Hahn, wurden 4 von 10 Eiern von einer Henne mit Knochenbrüchen gelegt. Als Faustregel müssten Verbraucher jedoch davon ausgehen, dass mindestens jedes vierte Tierprodukt von einem kranken Tier stamme. Beim Einkauf sei dies nicht zu erkennen, die Produkte kranker Tiere würden regelmäßig als „gesunde“ Lebensmittel angeboten.

Dabei gäbe es keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben, so Wolfschmidt. Entscheidend für die Gesundheit der Tiere sei vor allem die Qualität des Betriebsmanagements.

Bauern sind Opfer

„Wer in den Bauern einfach Tierquäler sieht, liegt falsch. Die Tierhalter sind, wie die Tiere selbst und die Verbraucher, die über die Herkunft ihrer Produkte getäuscht werden, Opfer eines Systems, das falsche Anreize setzt“, betont Wolfschmidt. „Vor allem der Handel ist verantwortlich für einen Wettbewerb, der sich nicht um Qualität, sondern nur um den Preis dreht – das kann nur zu Lasten von Tieren, Bauern und letztlich auch Kunden gehen.“

Foodwatch fordert daher eine gesetzlich vorgeschriebene tiergerechte Haltung für alle Nutztiere. Zudem müsse das Konzept EU-weit umgesetzt werden, verbunden mit einem Vermarktungsverbot für nicht-tiergerecht erzeugte Lebensmittel aus Drittstaaten.

Letztendlich müssten der Handel und die Lebensmittelindustrie Tierhalter besser entlohnen. Dies würde zu höheren Preisen für Verbraucher führen. „Wenn wir das Leben hunderttausender krankgemachter Tiere wirklich verbessern wollen, dann müssen wir diesen Preis bezahlen“, ist sich Wolfschmidt sicher.

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