Forscher wollen Speiseabfälle spürbar reduzieren

EssenIdeen zur Abfallvermermeidung sind gefragt. (Foto: Toa Heftiba / Unsplash)

Zu viele Lebensmittel landen in der Mülltonne. Doch wie können Bäckereien oder Händler weniger Abfall produzieren? Das sind die Ideen der Forscher gegen Speiseabfälle. 

Etwa acht Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle landen bei uns jedes Jahr im Müll. Vielen Privatpersonen und auch der Politik ist es ein Anliegen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Aber wie kann das gelingen? Obst und Gemüse, Bäckereien, Privathaushalte und Schulverpflegung – für diese vier Produktions- und Konsumbereiche haben Wissenschaftler im Forschungsprojekt Refowas (Reduce Food Waste) Handlungsoptionen zur Abfallvermeidung erarbeitet und im Braunschweiger Thünen-Institut mit Experten aus Politik und Praxis diskutiert.

Bei der Produktion von Obst und Gemüse kommt der Schnittstelle zwischen Erzeugern und Lebensmitteleinzelhandel eine besondere Bedeutung zu. „Die Standards der Lebensmitteleinzelhändler bei optischen Kriterien liegen höher als gesetzlich vorgeschrieben. Die Händler haben hierfür zwar gute Gründe, wie den Ästhetikwunsch der Kunden, allerdings führen diese hohen Standards auch dazu, dass oft ein wesentlicher Teil der Erzeugung nicht verkauft werden kann. Wir sehen es hier als eine wichtige Aufgabe, Verbraucherinnen und Verbraucher stärker für diese Thematik zu sensibilisieren und Gespräche zwischen den zwei Parteien in Gang zu bringen“, so Walter Dirksmeyer, verantwortlicher Wissenschaftler der Fallstudie ´Obst und Gemüse´ am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft. Aber auch eine verstärkte Beratung für die Produzenten, die Vermarkter und eine stärkere Kooperation würde zu einer Reduzierung der Abfälle beitragen.

Bei den Bäckereien hingegen liege eine große Chance darin, genaue Prognosesysteme für die einzelnen Filialen zu nutzen. Diese Systeme würden mit Informationen zur Produktion in der Vergangenheit arbeiten und verknüpften diese mit weiteren Faktoren, wie Wetter und Ferientage. So lasse sich die Produktion bedarfsgerechter planen und die Verluste seien geringer als bei emotionalen Entscheidungen, die aus der Situation heraus getroffen würden. Allerdings: „Nicht alle Maßnahmen, durch die eine Reduktion der Lebensmittelabfallmengen herbeigeführt wird, verringern auch die damit verbundenen Umweltwirkungen, wie den Energieverbrauch, die Treibhausgasemissionen oder führen zu einer Kosteneinsparung“, weiß Dominik Leverenz von der Universität Stuttgart. Deshalb würden die vorgeschlagenen Reduzierungsmaßnahmen in den verbleibenden Monaten der Projektlaufzeit noch hinsichtlich ökologischer und betriebswirtschaftlicher Aspekte analysiert.

In den Privathaushalten fallen regelmäßig große Mengen an Lebensmittelverlusten an, allerdings seien hier Verhaltensänderungen nur schwer zu bewirken. „Den Teller in jedem Fall leer zu essen, ist auch gesundheitlich nicht immer empfehlenswert“, erklärt Erika Claupein vom Max Rubner-Institut. „Dennoch ist Aufklärung und Sensibilisierung wichtig, sowohl bei der Frage, wann ein Lebensmittel wirklich entsorgt werden soll, als auch bei der Frage, wie sich Lebensmittelabfälle im Alltag ganz konkret vermeiden lassen.“

Zum Bereich Schulverpflegung wurden in elf Schulen Speiseabfällen gemessen: Rund 25 Prozent der Produktionsmenge werden demnach durchschnittlich entsorgt. Doch durch einfache, kurzfristige Maßnahmen wurden in vier Schulküchen im Durchschnitt 30 Prozent der Speiseabfälle eingespart. Mit weiteren Maßnahmen werde es sogar möglich sein, eine Halbierung der Speiseabfälle bis zum Jahr 2030 zu erreichen, wie es die Sustainable Development Goals (SDG 12.3) der Vereinten Nationen fordern. Erfolgreiche Vermeidungsmaßnahmen waren die Reduktion der Produktionsmengen, die Kontrolle der Portionsgrößen sowie die Analyse der Tellerreste für die Produktionsanpassung.

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