Frankreich: Supermärkte haben Halal-Eigenmarken

KäseFür muslimische Käse-Liebhaber gibt es in Frankreich auch Halal-Käse. (Foto: Darren Coleshill / Unsplash)

Halal-Produkte sind in Frankreich längst etabliert. Es gibt zahlreiche Restaurants, die traditionell oder modern nach islamischen Regeln kochen. Und große Lebensmittelhändler, die ihre eigenen Halal-Marken haben.

In Frankreich nennen sie sich „Le goût de l’Orient“ von der Supermarktkette Auchan, „Toutes les saveurs du ramadan“ bei Carrefour und „Spécial Orient“ im weit verbreiteten Einzelhändler  Intermarché. Die französischen Lebensmitteleinzelhändler werben nicht nur speziell zum Ramadan mit buntem Dekor aus Tausendundeiner Nacht für Halal-Eigenmarken. Sie haben die Produkte das ganze Jahr im Angebot.

In einem Land, das ethnische Statistiken verbietet, ist es schwer herauszubekommen, ob sich die Zahl der Muslime bei 2,1 Millionen oder eher bei 4 bis 5 Millionen bewegt. Mit einer starken Migration aus dem Maghreb, aber auch bedeutenden Zuzugsströmen aus Schwarzafrika, aus der Türkei und Asien dürfte den Zahlen der französischen statistischen Ämter INED und Insee zufolge eher die höhere Zahl zutreffen.

Frankreich Muslime kaufen hauptsächlich Halal-Fleisch: In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts IFOP vom Jahr 2010 haben 59 Prozent der Muslime angegeben, dass sie sich an der Theke oder im Kühlfach für Halal-Fleisch entscheiden und zu 28 Prozent gelegentlich. Streng gläubige Muslime würden sich 91 Prozent halal-konform ernähren, bei den weniger Religiösen sind es 44 Prozent.

Milliardenmarkt halal

Das Marktforschungsunternehmen Solis ermittelte in ihren Marktstudien, dass sich sogar 86 Prozent der befragten Verbraucher für Halal-Fleisch entscheiden, wenn sie die Auswahl zwischen halal-konformen und nicht konformen Produkten haben. Weiter würden sich 43 Prozent für Halal-Würfelbouillons, für Halal-Tomatensaucen zu 29 Prozent und 22 Prozent für Halal-Suppen entscheiden. In Frankreich spielt das Essen eine große Rolle. Selbst die landestypische Spezialität foie gras (Enten- oder Gänsestopfleber) gibt es in der Halal-Variante zu kaufen.

Wie in Deutschland wird auch in Frankreich über Fragen zur Zertifizierung und das religiöse Schlachten diskutiert. Es gibt seit 25 Jahren das Zertifizierungsinstitut AVS und eine Reihe von Instituten arbeiten derzeit an Regeln und Vereinbarungen.

Bei der Vielzahl der Vertriebswege ist es schwierig festzustellen, wie hoch der Umsatz mit Halal-Lebensmitteln und Getränken ist. Die großen Schlachtereien nennen keine Zahlen, die kleinen Lebensmittel-Einzelhändler (eher „Tante Emma-Läden“) werden umsatzmäßig in diesem Segment nicht erfasst. Das Beratungsunternehmen Solis schätzt einen Jahresumsatz von  5,5 Milliarden Euro. Allerdings liegt diese Zahl bereits sieben Jahr zurück. Neuere Zahlen liegen nicht vor, sie dürften aber wegen der weiter ansteigenden Verbreitung der Halal-Produkte, dem wachsenden Anteil der Muslime und angesichts steigender Preise sich inzwischen bei 6,7 Milliarden Euro bewegen. Fast Food hat daran einen Anteil von 1,2 Milliarden Euro und der Lebensmittelhandel inklusive Metzgereien einen Anteil von 5,5 Milliarden Euro.

Bio-Halal-Metzgereien werden eröffnet

Unterstützt werden diese Zahlen durch das Marktforschungsunternehmen Xerfi, demzufolge allein für die Marke Isla Délice des Unternehmens Zaphir vor fünf Jahren ein Umsatz von 60 Millionen Euro bei einem Marktanteil von 45 Prozent erzielt wurde.

Der französische Halal-Markt ist weiter entwickelt als der deutsche Halal-Markt. Frankreich hat einen höheren muslimischen Bevölkerungsanteil und kann eine historisch gewachsene Halal-Tradition vorweisen. Insgesamt handelt es sich in beiden Ländern zwar um einen relativ kleinen Markt mit einem einstelligen prozentualen Umsatzanteil am gesamten Lebensmitteleinzelhandel. Diese Nische entwickelt sich aber dynamisch. Dies zeigen nicht nur permanent auf den Markt kommende neue Produkte sondern auch sich diversifizierende Distributionswege. Beispiele sind Bio-Metzgereien und muslimische Küchenchefs, die neben traditionellen Gerichten aus dem Maghreb, auch moderne Speisen auftischen.

Helmut Poppe, HALAL-WELT-Korrespondent für Frankreich.

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