Großkonzerne dominieren den globalen Markt

KuchenBei vielen Produkten, auch Kuchen, stecken oft die gleichen Hersteller dahinter. (Foto: Toa Heftiba / Unsplash)

Der Lebensmittelmarkt wird immer stärker von wenigen Großkonzernen kontrolliert, sagen Umwelt- und Hilfsorganisationen. Die deutsche Ernährungsindustrie wehrt sich gegen den Bericht.

Immer weniger Konzerne bestimmen weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebensmittelerzeugung und Ernährung – zum Nachteil von Kleinbauern, Landarbeitern sowie der regionalen Lebensmittelversorgung. Das zeigt der „Konzernatlas 2017“. Die Datensammlung wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde Diplomatique erstellt.

Inzwischen würden lediglich vier Großkonzerne rund 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen kontrollieren, drei Konzerne würden 50 Prozent des Weltmarkts für Landtechnik dominieren und in Deutschland vier Supermarktketten 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels abdecken.

Nach dem Bericht erwirtschaften 50 Lebensmittel-Hersteller die Hälfte des globalen Branchenumsatzes. In den vergangenen Jahren hätten die Verbraucher verstärkt natürliche Produkte nachgefragt. Damit hätten sie die Ernährungsindustrie dazu angetrieben, künstliche Zutaten zu ersetzen. Konzerne wie General Mills, Archer Daniels Midland (ADM), Coca-Cola und Unilever hätten daher Unternehmen aufgekauft, die natürliche und Aromen herstellen würden. Auch den Teehandel würden zu 80 Prozent drei Konzerne: Unilever („Lipton“), Tata („Tetley“) und Associated British Foods („Twinnings“) kontrollieren.

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Wer in den Industrieländern Lebensmittel einkauft, lässt die Kassen von Wal-Mart oder Lidl klingen. Der US-Gigant macht laut dem Atlas 6,1 Prozent des globalen Einzelhandelsumsatzes. Unter den zehn größten Lebensmittel-Einzelhändlern der Welt befinden sich mit dem Lidl-Mutterkonzern Schwarz, Aldi und Metro gleich drei deutsche. Die Discounter würden aufgrund ihres aggressiven Marketings am schnellsten expandieren. Außerdem würden Lebensmitteleinzelhändler die Preise drücken, die sie ihren Zulieferfirmen zahlen würden.

Das stärkste Wachstum im Lebensmitteleinzelhandel verzeichneten derzeit die „Länder mit niedrigerem mittlerem Einkommen“, wie sie im internationalen Jargon heißen, etwa Indien, Indonesien und Nigeria. Schwellen- und arme Länder seien für die großen internationalen Händler zu strategischen Märkten geworden.

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Die deutsche Ernährungsindustrie kritisiert den Bericht: Der Konzernatlas dokumentiere ein „absurdes Sammelsurium verkürzter Behauptungen oder falscher Unterstellungen“ gegen die Lebensmittelbranche. „Die deutsche Ernährungsindustrie prägt nicht nur ein harter Wettbewerb, sondern auch eine beispielhafte mittelständische Unternehmensstruktur“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff. Die zehn größten Unternehmen hätten nur einen Umsatzanteil von 16 Prozent am Gesamtmarkt.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.