Halal & Koscher: IHK-Plattform für Unternehmer

Arbeitsgruppe Halal und Koscher IHK HannoverArbeitsgruppe „Halal & Koscher“ (von links): Norbert Kahmann, Symrise AG, Pia-Felicitas Homann, Referentin IHK Hannover, Beate Rausch, Referentin IHK Hannover, Tilman Brunner, Abteilungsleiter International IHK Hannover. (Foto: Kemal Calik)

Deutsche Unternehmen, die Lebensmittel exportieren wollen, müssen für bestimmte Länder religiöse Vorschriften beachten. Ohne ein Halal- oder Koscher-Zertifikat haben sie keinen Zugang zum Markt. Seit einigen Jahren werden sie dabei von der Arbeitsgruppe „Halal & Koscher“ der IHK Hannover aktiv mit Praxiswissen unterstützt.

„Wir wurden am Anfang von den Zertifizierern kritisch beäugt“, sagt Tilman Brunner, Leiter der Internationalen Abteilung der IHK Hannover. „Sie dachten, dass wir uns zusammenschließen, um unsere Forderungen gegenüber den Zertifizierern durchzudrücken.“ Mittlerweile hätten sie jedoch gemerkt, dass der Erfahrungsaustausch auch für sie positiv sei, da die Unternehmen nun mit mehr Wissen in den Zertifizierungsprozess hineingehen würden.

Seit nunmehr sechs Jahren tauschen sich die Produzenten und Exporteure von Lebensmitteln in der IHK Hannover aus. Der Anlass für die Gründung der Arbeitsgruppe „Halal & Koscher“ war ein Lebensmittelforum. Norbert Kahmann, Strategic Kosher / Halal Officer bei der Symrise AG, kann sich noch ganz genau an den Titel der Veranstaltung erinnern: „Food Forum – Globale Wachstumsmärkte für die Lebensmittelindustrie und den Lebensmittelhandel – Bio, Halal, Koscher.“

Kahmann hatte auch die Idee für die Arbeitsgruppe. „Es wurde auf dem Forum sehr viel über die Chancen gesprochen, aber was die Betriebe erfüllen müssen, um diese ergreifen zu können, wurde gar nicht behandelt“, so der Experte. „Wir wollten voneinander lernen, uns über unsere Erfahrungen in der Praxis austauschen, um danach auch mit den Zertifizierern besser kommunizieren können“, erzählt Kahmann.

Arbeitsgruppe ist offen für jedes Unternehmen

An der Auftaktsitzung einige Monate später nahmen rund 100 Unternehmen aus Deutschland teil, etwa Bahlsen, Dr. Oetker, Molda und Symrise. Seitdem trifft sich die Arbeitsgruppe drei Mal im Jahr. „Wir haben im Verteiler aktuell 80 Personen. Vertreter von Unternehmen, Behörden und Ministerien“, sagt Brunner. Zu den Treffen würde etwa die Hälfte der Mitglieder kommen. Die Arbeitsgruppe stehe jedem Unternehmen offen.

Zu den Sitzungen werden gelegentlich auch die Zertifizierer aus Deutschland eingeladen, um zum Beispiel einen Vortrag zu halten. Zudem gebe es Besuche bei den Mitgliedsunternehmen. Oft seien auch die jeweiligen Zertifizierer anwesend. „Wir haben jedoch festgestellt, dass sie häufig Promotion für ihre Dienstleistungen machen. Das möchten wir nicht“, berichtet Kahmann.

Für die weltweit 400 Halal Zertifizierer stünden große Veränderungen an. So müsste jeder, der in den Ländern der GCC anerkannt werden wolle, ein Qualitätsmanagement nach ISO einführen und vorweisen. „Ansonsten bekommt er keine Genehmigung“, sagt Kahmann. Im Augenblick hätten nur 23 der international arbeitenden Zertifizierer die Zulassung für die GCC Länder.

Kein Rat über den geeigneten Zertifizierer

Für interessierte Unternehmen bietet die Arbeitsgruppe in der IHK Hannover und bundesweit Seminare an. „Wir möchten keine religiösen Schulungen durchführen, das ist die Aufgabe des Rabbinats und der islamischen Gemeinden“, betont Kahmann. Man wolle Grundwissen vermitteln, um sich danach über die Anforderungen im Produktionsprozess auszutauschen. Ein Aspekt ist für die Arbeitsgruppe wichtig: „Wir möchten, dass die Unternehmen den religiösen Grundsätzen mit Respekt begegnen“, sagt Kahmann. Das sei eine Grundvoraussetzung, damit beide Seiten konstruktiv miteinander arbeiten könnten.

Für den Lebensmittelexperten ist der Koscher-Markt „sehr gut organisiert“. Es gebe keine Bestrebungen, irgendwelche großen Veränderungen zu machen. Die Zertifizierer seien sich untereinander einig. „Koscher ist in den USA ein Gütesiegel“, sagt Kahmann. Das Gleiche werde mit halal passieren. Den Prognosen zufolge würden im weltweiten Halal-Business im Jahr 2019 etwa 2,3 Billionen US-Dollar mit Lebensmitteln, Kosmetik und Pharma umgesetzt. Längst habe sich halal zu einem Geschäftsmodell entwickelt. So setze Dubai alles dran, um zu einem globalen Halal-Wirtschaftshub zu werden.

Welche Fehler sollten Unternehmen im globalen Halal-Geschäft vermeiden? „Sie sollten sich rechtzeitig überlegen, welches Zertifikat sie für das Zielland benötigen“, erklärt Tilman Brunner. Je nachdem, was man produziere, müsste man möglicherweise mit mehreren Zertifizierern arbeiten. „Im Regelfall kann mein Kunde am besten sagen, welches Zertifikat ich brauche“, ergänzt Kahmann. Einen Rat, welcher Zertifizierer der geeignetste ist, möchte die Arbeitsgruppe nicht geben. Zu unterschiedlich seien die Produkte, die spezifischen Anforderungen der Import-Länder. Allerdings dürften die Unternehmen mit dem Wissensaustausch in der Arbeitsgruppe wesentlich einfacher den richtigen Zertifizierer finden.

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.