„Halal-Markt ist kein Nischenmarkt“

Anzeige

MIHAS2020 webbanner halalwelt 728x90px new - „Halal-Markt ist kein Nischenmarkt“
Foto: Deutsche Messe AG

Die neue Messe Halal Hannover startet bald. Projektleiter Christoph Schöllhammer über transparente Zertifizierer, große Exportchancen für deutsche Produzenten und den Abbau von Vorurteilen.

Herr Schöllhammer, in wenigen Wochen geht die erste Halal-Messe Deutschlands an den Start. Haben Sie bereits alle Standplätze vergeben?
Die Weichen sind gestellt und bieten beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Premiere: Die neue Messe für halal-konforme Produkte und Dienstleistungen ist startklar. Bis heute haben sich bereits mehr als 60 nationale und internationale Aussteller angemeldet. Damit sind wir absolut auf der Zielgeraden. Zudem werden 40 Entscheider und Vordenker aus neun Nationen auf der dreitägigen Konferenz eine Vielfalt an spannenden Branchenthemen diskutieren. Dies zeigt, dass das Format aus Konferenz und Ausstellung von der Industrie angenommen wird.

Lebensmittel, Kosmetik, Tourismus und Banking: In Hannover zeigen Firmen aus unterschiedlichen Branchen ihre Produkte. Auf der Messe präsentieren sich ebenso einige Halal-Zertifizierer. Werden die muslimischen Verbraucher dann erfahren, nach welchen Kriterien sie zertifizieren?
Mit einem umfangreichen Informationsangebot zum Thema Zertifizierungen wird die Messe hilfreich zur Seite stehen. Zertifizierer wie etwa IIDC, SGS oder EHZ werden als Aussteller vertreten sein. Verbraucher und Firmen können sich über Zertifizierungsprozesse, verschieden Zertifizierungsverfahren und den Vorteil von Zertifikaten erkundigen. Dies ist vor allem für exportorientierte Unternehmen interessant, denn es gibt weder in der EU noch weltweit ein einheitliches Gütesiegel für Halal-Produkte. Daher bedarf es fachlicher Beratung und der Wahl des richtigen Zertifizierers, um eine Akkreditierung für bestimmte islamische Länder zu erhalten.

Fleischproduzenten wie Vion und Eggelbusch wollten ihre Halal-Produkte in einer Gemeinschaftsausstellung präsentieren, machen nun doch nicht mit. Was waren die Gründe und wie greifen Sie das wichtige Thema Halal-Fleisch auf der Messe auf?
Die Themen Tierwohl und Tierschutz werden im Rahmen der begleitenden Konferenz aufgegriffen und diskutiert. Der Kongress soll auch dazu beitragen, Aufklärungsarbeit zu leisten und Vorurteile in der öffentlichen Wahrnehmung abzubauen.

Große Lebensmittelproduzenten wie Dr. Oetker, Nestlé, Egetürk, Gazi oder Yayla mischen auf dem globalen Halal-Markt mit – und zeigen ihre Halal-Produkte nicht auf der internationalen Schau in Deutschland. Kennen Sie die Gründe?
Der Halal-Markt ist kein Nischenmarkt, sondern bildet eine Vielzahl an Produktgruppen ab. Im Inland wird das Thema Halal oftmals mit der Lebensmittelindustrie assoziiert. Bei großen Lebensmittelproduzenten könnte also der Gedanke herrschen, dass das Thema Halal nur für den Exportmarkt eine Bedeutung hat. Eine Rolle spielt sicher auch, dass diese Messe zum ersten Mal veranstaltet wird. Eine neue Messe braucht eine Anlaufzeit, bis sie sich für alle relevanten Industriebereiche etabliert hat.

Sie sind ein Pionier, haben die Halal Hannover konzipiert und geplant. Nun bereiten Sie seit Monaten die Premierenschau vor, was hat Sie in dieser Zeit am meisten gefreut?
Nach Monaten der Vorbereitung sind wir jetzt startklar und voller Vorfreude auf die Erstveranstaltung. Die Begeisterung vieler Marktteilnehmer spüren wir in den Gesprächen, die wir mit der Branche führen. Die große Unterstützung durch Mediapartner und Aussteller zeigt, dass wir mit der Veranstaltung auf dem richtigen Weg sind. Sehr erfreulich ist auch die positive Wahrnehmung der Messe im Ausland. Im Sommer 2019 hatten wir die neue Plattform angekündigt. Nur wenige Monate später sind Ausstellung und Kongress bereits weit über Deutschland hinaus bekannt. So wird der Kongress der Halal Hannover auch vom Dubai Islamic Economy Development Center (DIEDC) offiziell unterstützt und durch einen Round Table des Global Islamic Economy Summit (GIES) am 6. März international aufgewertet.

Und was hat Sie geärgert?
Wir veranstalten eine Messe mit dieser thematischen Ausrichtung zum ersten Mal. Da wird es natürlich immer Unternehmen geben, die erst einmal schauen wollen, wie die Messe aufgestellt ist und wie sie sich entwickelt. Wenn jedoch alle Unternehmen so denken würden, könnte so ein Marktplatz nicht zustande kommen. Wir würden uns freuen, wenn auch die großen Unternehmen der Industrie im kommenden Jahr Flagge zeigen.

Welche Auswirkungen wünschen Sie sich nach der Halal Hannover auf den deutschen Halal-Markt?
Mit der Halal Hannover wollen wir nicht nur die muslimischen Mitbürger ansprechen, sondern auch die hiesige Bevölkerung, um generell das Bewusstsein für Halal-Produkte zu steigern. Wir sehen die Messe deshalb als Brückenbauer für ein gesundes und wertschätzendes Miteinander. Wir sehen zudem große Exportchancen für den hiesigen Produktionsstandort und wollen mit der Messe einen Beitrag leisten, Halal zum einen als Gütesiegel neben Bio und Vegan beziehungsweise in der Wirtschaft als TÜV Siegel zu etablieren, das zum Export befähigt. Unternehmen mit gültigen Akkreditierungen könnten somit enorm vom Halal-Trend profitieren.

Interview: Kemal Çalık