Halal: Nischenmarkt mit Chancen

Yusuf Oguz EvlerTreffpunkt der Halal-Experten: Yusuf Oguz Evler hat den Halal-Kongress auf der Anuga organisiert. (Foto: Kemal Calik)

Halal-Produkte bleiben vorerst ein Nischenmarkt. Dennoch hat die Branche viel Potenzial. Während die deutschen Supermärkte noch zögern, hat der Geschäftsmann Yusuf Oguz Evler längst Europa im Visier.

„Der Halal-Markt ist in Deutschland ein stark wachsender Markt“, sagte Yusuf Oguz Evler, CEO von DTFood Ambassador, auf dem vierten europäischen Halal-Kongress in Köln. Das Beratungsunternehmen hat sich auf den internationalen deutsch-türkischen Lebensmittelhandel spezialisiert und den Kongress mit der Ernährungsmesse Anuga organisiert.

„Jedes Jahr kommen neue Halal-Produkte und Getränke auf den Markt“, berichtet Evler. So wurden im vergangenen Jahr 44 Produkte angemeldet. Gleichzeitig biete das Halal-Business Exportchancen für deutsche Hersteller. Derzeit würden Fleisch- und Wurstwaren, Molkereiprodukte, aber auch Süßwaren den Halal-Markt dominieren. Der Experte sieht weitere Potenziale künftig in den Warengruppen Speiseeis, Tiefkühlkost, Babynahrung und Haarpflege.

Jedoch bemängelt er die fehlende Transparenz bei Produkten, Produktionsketten und Zertifizierungen. Zudem wies er auf die Vorurteile der deutschen Verbraucher gegenüber Halal-Produkten hin. Um in diesem Markt erfolgreich zu sein, müsse man Aufklärungsarbeit leisten, Mut zeigen und Geduld haben.

Einstieg in den Online-Handel

Aktuell sei Halal im deutschen Handel fast nicht vorhanden – trotz 4,3 Millionen Muslimen. Dennoch würden immer mehr deutsche Unternehmen den Halal-Markt „entdecken“. So habe die Handelskette Metro Cash & Carry vor einigen Jahren auf ihrer Webseite angekündigt, dass ihr Sortiment auch halal-konforme Fleischprodukte beinhaltet.

Auch Rewe Deutschland halte sich in Sachen „Halal“ noch zurück. Doch Rewe International biete in Österreich unter lautem Protest von rechtspopulistischen Vereinigungen Halal-Fleischwaren an. Ferner gäbe es inzwischen in einigen Edeka-Märkten islamkonforme Lebensmittel. Der Edeka-Händler in Hannover-Minden etwa biete halal-zertifizierte Wurstwaren an.

Während die deutschen Supermärkte immer noch zögern, hat der Geschäftsmann längst Europa im Fokus: Er möchte im ersten Schritt einen Online-Shop für Halal-Lebensmittel für die Märkte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien starten. Weitere Länder sollen folgen. Zudem will er langfristig eine B2B-Plattform innerhalb des Webshops aufbauen.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

1 Kommentar zu "Halal: Nischenmarkt mit Chancen"

  1. Sabrina R. | 1. Oktober 2016 um 17:38 |

    Ich verstehe die ganze Diskussion um diese ,,halal“-Produkte nicht, Fleisch bleibt Fleisch egal ob es brutal geschächtet oder mit vorheriger Betäubung geschlachtet wurde, auf den Geschmack kommt es doch an oder nicht?
    Oder würde hier irgendjemand den Unterschied zwischen geschächtet oder geschlachtet bemerken?
    Und außerdem wird ja immer in Diskussionsrunden behauptet dass im Koran steht,dass die Schächtung dafür da ist, die Tiere vor Schmerzen zu bewahren, was für die damalige Zeit angemessen war. Wenn es doch ums Tierwohl geht, wieso kann man dann nicht auch Fleisch von betäubten Tieren verzehren, wie es das Staatsziel Tierschutz, zwar mal wieder mit Ausnahme für Moslems, vorschreibt?
    Der Koran wurde vor mehr als tausend Jahren geschrieben, da kann man ruhig mal alles hermeneutischer lesen und nicht so buchstabengetreu.
    Wenn das jeder Muslim machen würde denke ich hätte man die Flut von ,,halal“-Produkten in deutschen Supermärkten garnicht.
    Und vielleicht wäre Schweinefleisch auch nicht unrein wenn es damals in der Wüste Tiefkühltruhen gegeben hätte, denn Mohammed hätte auch von verdorbenem Rind Übelkeit bekommen…

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