Halal-Regeln der islamischen Rechtsschulen

Farhan TufailFarhan Tufail berichtet in Gerlingen über die unterschiedlichen Rechtsschulen im Islam. (Foto: Kemal Calik)

Die meisten Muslime, rund 85 Prozent, sind Sunniten. Die übrigen Schiiten. Jeder Gläubige gehört einer der unterschiedlichen Rechtsschulen an – und richtet sich nach deren Speisevorschriften. Das stellt die Unternehmen vor eine schwierige Aufgabe.

Im Verlauf der langen Geschichte des Islams haben sich unterschiedliche Rechtsschulen herauskristallisiert. Die Sunniten haben vier verschiedene Rechtsschulen: Hanafi (31 Prozent der Muslime), Shafii (16 Prozent), Hanbali (4 Prozent) und Maliki (25 Prozent). Es gibt noch eine schiitische, die Jafari.

Wie sind die verschiedenen Rechtsschulen entstanden? Nach dem Tod des Propheten Mohammed haben die Rechtsgelehrten die anerkannten Quellen, etwa den Koran und die Sunna (Gesamtheit der überlieferten Aussprüche des Propheten) erörtert und eine Rechtsempfehlung ausgesprochen. „Aufgrund der unterschiedlichen Beurteilung dieser Grundlagen gelangten die Gelehrten dann zu unterschiedlichen Aussagen hinsichtlich der Detailfragen der rechtlichen Bestimmungen“, erklärte Farhan Tufail, Geschäftsführer von Halal Certification Services, auf dem GDL-Symposium „Ethik und Verantwortung in der Lebensmittelwirtschaft“ in Gerlingen. Heute gehören die Muslime einer der Schulen an und richten sich nach den religiösen Vorschriften der Rechtsschule.

„Die vier Rechtsgelehrten der Sunniten stimmen bei der Mehrzahl der rechtlichen Fragen um die Speisegesetze überein“, so Tufail. Dennoch gäbe es Fragen, wo eine Rechtsschule es erlaubt (halal), während die andere es verpönt (makruh) und die dritte es gar verbietet (haram). Ein paar Beispiele: Das Essen von Schweinefleisch ist bei allen Rechtsschulen verboten. „Da gibt es keine Diskussion“, stellte der Halal-Experte klar. Bei den Hanafiten hingegen gelte Pferdfleisch als haram, bei den Schafis und Hanbalis als halal. Für die Jafaris sei es verpönt, also makruh.

Produktionsprozess muss halal-tauglich sein

Eine unterschiedliche Auslegung gibt es auch bei der Schlachtung. Das Weglassen des Gebets vor der Schlachtung würden die Rechtsschulen als haram einstufen. Für die Schafiis kann es dennoch halal sein, wenn es ein Versehen ist. Bei der malikischen Rechtsschule dürfe nur ein Muslim schlachten, die Hanafis akzeptierten einen gläubigen Juden, Christen oder Muslim.

Die hanbalitische Rechtsschule würde alles, was Alkohol enthalte, als Nadjs (rituell verunreinigt) – und somit als haram ansehen. Für die Hanafiten sei nur der Alkohol, dass auch Datteln, Trauben oder Rosinen gewonnen wird, Najs und daher nicht erlaubt. Falls der Alkohol aus anderen Stoffen erzeugt wird, sei es nicht haram und dürfe in einer Menge verwendet werden, dass „nicht berauschend wirkt“. Das Entscheidende ist jedoch, dass der Alkohol nicht gezielt produziert wird. „Der gesamte Produktionsprozess muss halal-tauglich sein“, betonte Tufail.

„Die unterschiedliche Auslegung der Rechtsschulen stellt die Unternehmen, die zertifizieren wollen, vor eine fast unlösbare Aufgabe“, sagte Tufail auf der Tagung. Sein Tipp: „Nehmen sie immer die strengste Auslegung, dann sind sie auf der sicheren Seite.“

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

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