Halal-Tourismus: Türkei hat noch einige Baustellen

TürkeiDie Türkei ist eins der wichtigste Ziele für Halal-Tourismus. (Foto: Scott Serhat Duygun / Unsplash)

Die Türkei ist eins der halal-freundlichsten Länder der Welt – vor allem für Strandurlaub. Dennoch muss sie noch einige Aufgaben meistern, sagen Wissenschaftler.

„Es gibt in der Türkei laut einer Studie mindestens 63 Einrichtungen, die Halal-Tourismus anbieten“, sagte Ömer Akgün Tekin von der Süleyman Demirel Universität in Isparta auf dem World Halal Summit in Istanbul. Eine offizielle Zahl gebe es hingehen nicht. Der Wissenschaftler schlägt der türkischen Regierung eine Marketingstrategie vor, um mehr muslimische Touristen aus dem Ausland ins Land zu locken. Derzeit würden Halal-Hotels hauptsächlich einheimische Türken und Auslandstürken buchen. Urlauber aus der ganzen Welt seien wichtig, denn sie würden Devisen ins Land bringen.

Tekin prangerte die Lebensmittelverschwendung in den Hotels an. Sein Vorschlag: kleinere Teller zur Verfügung stellen oder auf Essen à la carte umstellen. Ein Problem seien zudem die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse und Einstellungen der Kunden. So würden sich etwa stark Konservative über die Kleidung der gemäßigt konservativen Urlauber beschweren, weil diese für sie nicht angemessen seien. Das führe dazu, dass das Hotel Gäste verliere, da die Betroffenen nicht mehr dort ihren Urlaub verbringen würden.

Kurze Saison, hohe Preise

Obwohl die Türkei im Bereich Halal-Tourismus sämtliche Bedingungen für etwa Medizin-, Winter- und Naturtourismus erfüllen würde, konzentrierten sich die Hoteliers auf Strandtourismus, so der Tourismusexperte. Hauptkunden der Halal-Resorts seien Familien mit Kindern. Die Hotelbetreiber würden daher nur in den Sommerferien Geld verdienen. Die kurze Saison von maximal drei Monaten führe zu hohen Preisen.

Inzwischen seien einige Hotels halal-zertifiziert. Da sich aber die allerwenigsten Urlauber nach einem Siegel erkundigen würden, führe dies dazu, dass nur die wenigsten Hoteliers motiviert seien sich mit einem Halal-Siegel auszustatten, der zudem Geld koste. Die Kunden würden sich die Hotels stattdessen nach dem Markenwert und den Urlaubsmöglichkeiten aussuchen. Tekin forderte das türkische Tourismusministerium zum Handeln auf. Es solle halal-zertifizierte Hotels bekannter machen und verhindern, dass sich Hotels ohne Zertifikat mit dem Halal-Konzept schmücken.

Beschwerlich und teuer sei darüber hinaus die Versorgung mit Halal-Essen, da es wenige Unternehmen gebe, die sich dafür eignen würden. Daher sollte der Staat den Aufbau eines Halal-Lieferantensystems unterstützen.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.