Halal und koscher: Schweiz will Fleisch-Import verbieten

FleischDie Schweiz will geschächtetes Import-Fleisch verbieten. (Foto: Fabrizio Magoni / Unsplash)

Der Nationalrat in der Schweiz möchte den Import von „tierquälerisch“ erzeugten Produkten verbieten. Darunter könnte auch nach islamischen und jüdischen Vorschriften geschächtetes Fleisch fallen.

Am 7. Juni hat der Nationalrat für den parlamentarischen Vorstoß des Berner SP-Nationalrats Matthias Aebischer gestimmt, der den Import von „tierquälerisch“ erzeugten Produkten verbieten will, berichtet der „Tages-Anzeiger“. Explizit erwähne Aebischers Vorstoß zwar weder Halal- noch Koscher-Fleisch. Sein Text sei generell formuliert: „Der Bundesrat wird beauftragt, unter Berücksichtigung internationaler Verpflichtungen, ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Produkte zu erlassen.“

Im Nationalrat seien die möglichen Konsequenzen der Initiative für Juden und Muslime nicht erwähnt und schon gar nicht debattiert worden, so der Tages-Anzeiger. Entsprechend überrascht hätten jetzt jüdische Kreise reagiert. „Ein Importverbot von koscherem Fleisch würde die Religionsfreiheit der Juden massiv einschränken“, sagte Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, dem Blatt. Nach jüdischem Verständnis entspreche Schächten mit vorgängiger Betäubung nicht den Speisevorschriften. Entsprechendes Fleisch gälte nicht als koscher.

Der Islam sei in diesem Punkt weniger strikt. Farhad Afshar von der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios) hätte kein Problem mit einem Importverbot. Muslime könnten weiterhin Halal-Fleisch essen, sagt er: „Nach islamischem Verständnis ist es erlaubt, die Tiere vor dem Töten zu betäuben. Das belegen mehrere Gutachten von islamischen Gelehrten.“ Schon heute stamme der größte Teil des importierten Halal-Fleischs von Metzgereien, welche die Tiere vor dem Schlachten betäubten. Von einem Verbot wären rund 18.000 Juden und 320.000 Muslime in der Schweiz betroffen.

Daniel Foppa, Ressortleiter Inland beim Tages-Anzeiger, kritisierte den Vorstoß in einem Kommentar: „Die Folgen eines Importverbots wären ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Religionsfreiheit einer ganzen Glaubensgemeinschaft – und weltweit wohl einmalig“.

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