Indonesiens Konjunkturmotor stottert

Tor in SurabayaKya-Kya-Tor in Surabaya, Indonesien. (Foto: Visit Indonesia Tourism Office)

Die Wachstumsaussichten für die indonesische Wirtschaft haben sich eingetrübt. Daher setzt die Regierung auf Protektionismus. So müssen Autohersteller künftig nachweisen, dass die Ledersitze ihrer Kraftfahrzeuge „halal“ sind.

Seit Indonesiens Wirtschaft vor fünf Jahren real um fast 7 Prozent zulegte, hat sich die Konjunktur langsam aber stetig eingetrübt, und 2014 die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf fünf Prozent abgerutscht. Das meldet die Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing, Germany Trade & Invest (GTAI).

Demnach würden viele Prognosen noch davon ausgehen, dass das BIP 2015 real um 5,2 bis 5,7 Prozent zulegt. Allerdings mehrten sich Anzeichen dafür, dass wohl eine Vier vor dem Komma stehe. Unternehmen würden seit Ostern – noch unter vorgehaltener Hand – von einem jähen Umsatzrückgang und ersten Entlassungen berichten.

Allgemein herrsche seit dem Frühjahr 2015 – insbesondere unter ausländischen Firmen – ein Klima der Enttäuschung. Vom im Oktober 2014 angetretenen Präsidenten Joko Widodo habe man sich ein wahres „Reformfeuer“ verspochen. Stattdessen setzt seine Administration auf die Protektionismus-Karte.

Strenges Halal-Gesetz

Sozusagen in letzter Minute würden neue Vorschriften erlassen, um das Land vom internationalen Wettbewerb abzuschirmen. So falle ein neues Halal-Gesetz etwa strenger aus als in zahlreichen arabischen Ländern. Selbst Container zählten demnach, wenn sie nur ein einziges Mal Schweinefleisch oder Alkohol transportiert haben, für den Rest ihres Lebens als nicht „halal“. Autohersteller müssten demnächst nachweisen, dass die Ledersitze ihrer Kraftfahrzeuge halal sind. Auch Anbieter aus der pharmazeutischen und Kosmetika-Branche seien von den neuen Regulierungen betroffen.

Zum 01.07.15 werde zudem ein Gesetz in Kraft treten, demzufolge jeglicher inländischer Zahlungsverkehr in einheimischer Währung – indonesische Rupiah (Rp); 1 Euro = rund 14.500 Rp – abzuwickeln sei. Dabei handele es sich um einen schweren Eingriff in die Vertragsfreiheit. Viele Unternehmen würden im täglichen Geschäft vorzugsweise den US-Dollar benutzen.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.