Iran: Kreditversicherer warnt vor Euphorie

Gewürze im IranDer Iran ist eine der bedeutendsten Volkswirtschaften im Nahen Osten. (Foto: Pixabay)

Der Iran bietet gute Chancen für die deutsche Wirtschaft. Allerdings sollte man nicht in Euphorie verfallen, sagt Coface. Der Kreditversicherer sieht noch ungelöste Probleme.

Coface warnt vor verfrühter Euphorie hinsichtlich der wirtschaftlichen Öffnung des Iran. Noch seien zu viele Punkte auch im Zusammenhang mit den Sanktionen ungeklärt, als dass von einem kurzfristigem Boom ausgegangen werden könnte, meint der Kreditversicherer. Derzeit sieht Coface noch keine Möglichkeit, Geschäfte in den oder im Iran mit Kreditversicherungsschutz zu begleiten.

„Dem stehen einerseits noch ungeklärte Sanktionsfragen im Weg. Andererseits fehlt es noch an verlässlichen Informationsquellen, die eine adäquate Risikoeinschätzung im B2B erlauben“, sagte Téva Perreau, General Manager Nordeuropa bei Coface, beim Coface-Kongress Länderrisiken in Mainz. Mittelfristig böte das Land gute Chancen für die deutsche Wirtschaft. Ein möglicher Aufschwung sei allerdings auch mit Risiken verbunden.

Nachdem die EU Lockerungen der Sanktionen gegen den Iran bekanntgegeben hatte, die wegen der Atomreaktorpläne des Landes ausgesprochen worden waren, schnellte der Iran bei den Interessengruppen der Wirtschaft auf die Pole-Position. „Dabei sind die Sanktionen noch nicht komplett aufgehoben“, erklärt Téva Perreau. „Die Situation ist höchst komplex.“

Entwicklungschancen in allen Branchen

Auch die USA halten noch an verschiedenen Handelsbeschränkungen fest. Das macht es unter anderem für Finanzdienstleister wie Banken oder Versicherer, die amerikanische Mütter oder Anteilseigner haben oder mit amerikanischen Partnern arbeiten, schwierig, ad hoc in Irangeschäfte einzusteigen.

Coface stuft den Iran derzeit in der Länderbewertung in der schlechtesten Stufe D ein. Das Geschäftsumfeld wird mit C, in der zweitniedrigsten Kategorie, bewertet.

Perspektivisch kann der Iran gute Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen bieten. „Vorausgesetzt, die politische Entspannung hält an und das Land gerät nicht in die anhaltenden Spannungen in der Region“, relativiert Téva Perreau. Nach zwei Jahren Rezession erwartet Coface für 2016 ein reales Wachstum um 3,8 Prozent, vor allem aufgrund der gelockerten Sanktionen. Die Regierung geht davon aus, Investitionen aus dem Ausland in Höhe von jährlich mindestens 50 Milliarden Dollar anregen zu können. Das wäre weit mehr als die 2,1 Milliarden Dollar ausländischer Investitionen im Iran im Jahr 2014.

„Schlüsselindustrien für einen solchen Aufschwung in der Phase ohne Sanktionen dürften der Transport, der Wohnungsbau und die städtische Infrastruktur werden. Darüber hinaus und neben der Öl- und Gasindustrie, von der der Iran stark abhängig ist, haben aber nahezu alle Branchen Entwicklungschancen“, meint Seltem Iyigün, Economist bei Coface für MENA und die Türkei.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.