Islamkonferenz: Wenn schon halal, dann richtig

Buffet
Halal oder nicht halal, das ist hier die Frage. (Foto: Jean Kelly / Unsplash)

Auf der Deutschen Islamkonferenz wurde auch Halal-Essen serviert, behauptet das Bundesinnenministerium. Einen Nachweis, ob die religiösen Vorschriften eingehalten wurden, kann es aber nicht liefern. 

Bratwurst, Currywurst oder Weißwurst – die Deutschen lieben Wurst. Wolfger Pöhlmann, der bayerische „Wurst-Papst“, hat gar eine Kulturgeschichte der Wurst geschrieben. Und vor einigen Monaten hat in Bayern das erste Bratwursthotel der Welt eröffnet. Unerwartet berühmt wurde jetzt die Blutwurst, die auf der Deutschen Islamkonferenz in Berlin angeboten wurde. Sie wird aus Schweineblut, Speck, Gewürzen und Schwarte hergestellt.

Der Journalist Tuncay Özdamar twitterte einen Tag später:

Über die Blutwurst wurde danach in den sozialen Medien viel debattiert, auch hemmungslos gehetzt.

Das Bundesinnenministerium (BMI) äußerte sich zu den Vorwürfen. Es hätten insgesamt 13 verschiedene Speisen zur Auswahl gestanden, einiges davon halal, anderes nicht.

Auch in den Medien fand die Blutwurst großen Anklang. Experten kamen in den Beiträgen dabei selten zu Wort. Man hätte etwa mit deutschen Unternehmen sprechen können, die Lebensmittel in muslimische Länder exportieren und sich bestens mit dem Thema Halal auskennen (müssen). Oder mit den global arbeitenden Halal-Zertifizierern. Stattdessen teilte zum Beispiel Alan Posener seine Gedanken mit den „Welt“-Lesern. Er ist sich sicher, dass viele Muslime religiöse Speisevorschriften nicht so genau nehmen. Martin Kraus schreibt in der Jüdischen Allgemeinen:

„Irgendeine Provokation, islamfeindlich oder rassistisch motiviert, möchte man nicht unterstellen. Schon eher darf man eine Mischung aus Gedankenlosigkeit und Ignoranz vermuten, vielleicht sogar ein bisschen Respektlosigkeit, doch all das sollte man nicht zu hoch hängen. Und wer sagt, es müsse ja niemand zugreifen und das geronnene Blut essen, hat auch recht. Was aber wirklich sehr irritiert, ist der Umstand, dass man im BMI auf den ‚religiös‐pluralen‘ Gesichtspunkten beharrt, die die Auswahl bestimmt hätten. Gilt die Blutwurst irgendjemandem als Symbol?“

In ihren Beiträgen haben Journalisten viel über Rassismus, Provokation von Muslimen, Opferdiskurs, Hochjazzen von Themen geschrieben. Ein anderes Thema stand nur selten im Fokus. Waren die als halal ausgezeichneten Speisen halal? So dürfte mittlerweile auch in Deutschland bekannt sein, dass es nicht ausreicht, Muslimen, die Wert auf Halal-Essen legen, statt Schweinefleisch nur Rindfleisch auf den Teller zu legen. Die Einhaltung der islamischen Speiseregeln während des gesamten Produktionsprozesses müssen nachgewiesen werden, etwa mit einem Halal-Siegel. Denn: Für den Verbraucher ist es heute aufgrund komplexer Produktionsverfahren unmöglich, festzustellen, was halal ist oder nicht. Das können nur Experten, etwa Lebensmittelchemiker oder Lebensmitteltechnologen mit Islamwissen, beurteilen. Halal ist daher keine Angelegenheit für Laien.

via GIPHY

Waren die servierten Speisen auf der Islamkonferenz nun halal? Wurden die religiösen Speisevorschriften bei der Zubereitung beachtet? Ich habe mich mit meinen Fragen an die Pressestelle des Bundesinnenministeriums gewendet. Sie reagiert mit ein paar Standardsätzen. Unter anderem wird mir das Twitter-Statement des Ministeriums geschickt. Ich hätte gerne mit dem Caterer des BMI gesprochen, etwa über die Zubereitung der Halal-Gerichte und ob das Unternehmen halal-zertifiziert ist. Zudem wollte ich mit einigen Teilnehmern vor Beginn der Islamkonferenz sprechen. Die Pressesprecherin Susanne Hartung schreibt:

„Sowohl Teilnehmerliste als auch Name und Adressen des Caterers können wir aufgrund von Datenschutzvorgaben und des Geschäftsgeheimnisses nicht herausgeben.“

Das Ministerium sagt auch zu anderen Fragen nichts. So hatte die Journalistin und Kolumnistin Ferda Ataman geschrieben, dass auf der Islamkonferenz im Jahr 2006 Schweinefleisch in Form von Schinkenschnittchen serviert wurde. Stimmt das? Und: Bietet das Ministerium bei Tagungen, in den es um das Judentum geht, auch Schweinefleisch an?

Auf die Frage, wie viele Muslime an der Konferenz teilgenommen haben, liefert die Pressestelle mehr Information. Das BMI schätzt, dass 60 Prozent der Teilnehmer Muslime, 40 Prozent Nicht-Muslime waren.

Muss das Bundesinnenministerium auf einer Islamkonferenz überhaupt Halal-Speisen anbieten? Nein. Auf dem Büffet kann auch nur Schweinefleisch liegen. Muslime kommen klar damit. Allerdings sollten Veranstalter, wenn sie aus irgendwelchen Gründen kein Halal-Essen anbieten können, vorab die Teilnehmer informieren. Die können sich dann nach einem Halal-Restaurant ihres Vertrauens umschauen. Jedoch würde es den Gastgeber ehren, wenn er Nahrungsmittel anbieten würde, die nachweislich halal sind. Als Zeichen der Wertschätzung.

Mehr zum Thema: