Kampf gegen Lebensmittelbetrug geht überall weiter

Ministerialdirektor Bernhard Kühnle spricht über die Herausforderungen für die Lebensmittelkontrolleure. (Foto: Kemal Calik)Ministerialdirektor Kühnle spricht über die Herausforderungen für die Lebensmittelkontrolleure. (Foto: Kemal Calik)

Die internationalen Behörden haben vor einigen Monaten 10.000 Tonnen gefälschte Lebensmittel gefunden. Allerdings keine in Deutschland. Dennoch werden die Kontrollen weiter verschärft. Auch der Internet-Handel mit Lebensmitteln wird verstärkt überwacht.

„Lebensmittelbetrug ist kein neues Thema“, sagte Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit im Bundesernährungsministerium, auf dem 8. Food Safety Kongress in Berlin. Er erinnerte an den Pferdefleischskandal und die falsche Kennzeichnung von Bio-Eiern vor drei Jahren. Auch vor einigen Monaten wurden Fahnder fündig: Interpol und Europol haben zwischen November 2015 und Februar 2016 bei einer internationalen Kontrolle mehr als 10.000 Tonnen gefälschte Lebensmittel und eine Million Liter manipulierte Getränke entdeckt. Positiv daran ist nur, dass „in Deutschland keine irreführenden und betrügerischen Praktiken festgestellt wurden“, berichtete Kühnle.

Die Politik will den Lebensmittelbetrügern das Leben noch schwerer machen. Daher wurde das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit dem Aufbau eines „Nationalen Systems zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug“ beauftragt. „Das geplante System soll Frühwarnsystem, Bekämpfung und Prävention beinhalten“, erklärte der Spitzenbeamte das Ziel. Auf europäischer Ebene seien ferner eine engere Zusammenarbeit der Behörden und die Einrichtung eines Referenzzentrums für die Echtheit der Lebensmittelkette geplant.

Dennoch: „Lebensmittelsicherheit hängt nicht allein von funktionierenden Eigenkontrollen der Unternehmer sowie effektiver staatlicher Kontrolle sondern wesentlich von der funktionierenden Interaktion aller an der Lebensmittelkette beteiligten Akteure ab“, stellte der Ministerialdirektor fest.

Für die Überwachungsbehörden kommt eine neue Herausforderung: der Lebensmittelkauf im Internet. Daher wurde beim BVL schon 2013 die Zentralstelle G@ZIELT geschaffen. Sie soll den Internet-Handel mit Lebensmitteln überwachen. Die Zentralstelle recherchiert im Auftrag der Länder und wird von diesen finanziert. Deren Ziel besteht darin, für Internet-Geschäfte ein ebenso hohes Kontroll- und Sicherheitsniveau zu schaffen wie im traditionellen Handel, erklärte Kühnle in Berlin.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.