Kongress: Medizin und Ökonomie miteinander vereinbaren

Karl Max EinhäuplCharité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl spricht über die Zukunft des Gesundheitswesens. (Foto: Kemal Calik)

Auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit wurden technische Fortschritte beleuchtet. Die Bundesregierung möchte „keine Eintagsfliegen“, sondern nur nützliche Innovationen. Eine große Herausforderung wird künftig die Finanzierung des Gesundheitswesens sein.

„Wir haben in Deutschland das beste Gesundheitssystem der Welt“, sagte Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin. Auch habe das Land neben Griechenland und Österreich die meisten Ärzte pro Einwohner. „Trotzdem reden wir über Ärztemangel“, so Einhäupl.  Der Krankenhaus-Chef sieht vielmehr ein Ärzte-Verteilungsproblem.

Karl Max Einhäupl ist zudem überzeugt davon, dass in Deutschland 300 Krankenhäuser aufgeben müssen, da man ansonsten die Krankenhäuser, die man wirklich brauche, nicht mehr finanzieren könne. Der Vorstandsvorsitzende ist sich sicher, dass das „beste Gesundheitssystem“ in Zukunft in Schwierigkeiten kommen wird, da die enormen Kosten, die für den Erhalt der Gesundheit entstehen, nicht mehr von den Versicherten gedeckt würden. Er befürchtet daher eine Entsolidarisierung.

Auf dem Kongress wurde auch der neue Krankenhaus Rating Report des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) vorgestellt. Die Studie zeigt eine gleichbleibende Insolvenzgefahr für deutsche Krankenhäuser. 11 Prozent der etwa 1.800 deutschen Kliniken befinden sich demnach in erhöhter Gefahr eines Konkurses. Während durch die Modernisierungsprogramme in den neuen Bundesländern die Insolvenzgefahr dort deutlich niedriger liegt, erreicht sie in Baden-Württemberg mittlerweile fast 50 Prozent aller Krankenhäuser. Die Investitionslücke deutscher Krankenhäuser beträgt nach Angaben der RWI-Forscher 28 Milliarden Euro.

Das Leitthema des Kongresses war in diesem Jahr „Innovationen“. Bereits in der Eröffnungsveranstaltung hatte Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister, die Haltung der Bundesregierung deutlich gemacht, dass das Solidarsystem nur nützliche Innovationen finanzieren könne. Der Begriff Innovation sei „kein Gütesiegel an sich, sondern Nutzen müsse evidenzbasiert nachgewiesen werden“, so Widmann-Mauz.

Die Innovationsstrategie der Bundesregierung sehe dafür drei Voraussetzungen: Erstens müssten „echte Innovationen einen wirklichen Fortschritt für Lebensqualität und Lebenschancen“ bringen. Zweitens müssten sich Innovationen am Versorgungsbedarf orientieren. Und drittens dürften wirkliche Innovationen „keine Eintagsfliegen“ sein.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.