Kreditversicherer warnt vor hoher Verschuldung

GeldGlobale Schulden belaufen sich auf 230.000 Milliarden Dollar. (Foto: Unsplash)

Ein großes Risiko für die weitere Entwicklung der globalen Wirtschaft und einzelner Volkwirtschaften sieht der Kreditversicherer Coface in der hohen Verschuldung.

Die politischen und wirtschaftlichen Risiken auf der Welt waren Thema beim Kongress Länderrisiken des Kreditversicherers Coface in Mainz. Coface-CEO Xavier Durand erinnerte in seiner Eröffnungsrede des Kongresses an die Überraschungen des vergangenen Jahres. Dazu zählte Durand die lange Dauer der Regierungsbildung in Deutschland, die Heftigkeit der Auseinandersetzung um die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, den schleppenden Beginn und langsamen Fortschritt in den Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU und das überraschende Embargo Saudi-Arabiens gegen Katar. Eine Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Die gute Nachricht dahinter sei, dass keine dieser Ereignisse die Wirtschaft zu erschüttern vermochte, sagte Durand.

Ein großes Risiko für die weitere Entwicklung der globalen Wirtschaft und einzelner Volkwirtschaften sieht Xavier Durand in der hohen Verschuldung. Die globalen Schulden beliefen sich auf 230.000 Milliarden Dollar und seien damit doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. “Wir dürfen die Risiken, die aus dieser Verschuldung erwachsen können, keinesfalls ignorieren”, mahnte Durand. Hinzu kämen die politischen Risiken. So habe sich die Anzahl der Konflikte binnen zehn Jahren verdoppelt. Und der Wert des Terror-Indexes, den Coface entwickelt hat, habe sich im gleichen Zeitraum verdreifacht.

„In der EU ist wieder Leben drin“

Mehr Herauf- als Herabstufungen in den Coface-Länderbewertungen zeigten, dass sich die internationale Wirtschaft derzeit in einem recht stabilen Zustand befinde, sagte Jochen Böhm. Der Regional Risk Underwriting Director der Coface für Nordeuropa unternahm „eine kleine Weltreise durch die Länderrisiken“: „Trotz politischer Störfeuer nimmt die Weltwirtschaft eine positive Entwicklung.“

Im Kontext anziehender Rohstoffpreise hätten sich viele Lieferländer wieder vom Schock des Preisverfalls erholt. Dieser Schock sei deutlich spürbar gewesen, etwa in Saudia-Arabien. „Von dort gab es nie Zahlungsprobleme“, erinnerte Jochen Böhm. „Doch zuletzt häuften sich die Meldungen, auch weil die staatlichen Unternehmen nicht pünktlich bezahlten.“ Das finanzkräftige Land, das auch Investitionen zurückgefahren hat und an der Steuerschraube dreht, ist in der Coface-Länderbewertung nur in der Kategorie C und damit schlechter bewertet als im Nahen Osten Ägypten (B) oder Kuwait (A3). Von der BRIC-Ländern sieht Coface Brasilien und Russland leicht erholt, wobei Russland von den Sanktionen nicht wirklich ernsthaft getroffen worden sei.

„In der EU ist wieder Leben drin“, sagte Jochen Böhm mit Blick auf die wichtigen deutschen Absatzmärke vor der Haustür. Besonders Spanien und Portugal hätten erkennbare Fortschritte gemacht. Beide Länder haben bei Coface wieder die zweitbeste Bewertung A2.

Allerdings machte der Risikospezialist auch Schatten über den deutschen Unternehmen und Sand im Getriebe der wirtschaftlichen Entwicklung aus: Fachkräftemangel, Demografie, Infrastruktur, die Zinspolitik, Protektionismus, politische Spannungen.

Coface-Risikoweltkarte (Englisch)

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

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