Ladendiebstahl kostet Milliarden

EinzelhandelDiebe klauen vor allem kleine und teure Waren. (Foto: Unsplash / Tom Sodoge)

Diebische Kunden, kriminelle Mitarbeiter und Lieferanten verursachen im deutschen Einzelhandel einen Schaden von 3,9 Milliarden Euro – fast ein Prozent des Gesamtumsatzes. Der organisierte Bandendiebstahl nimmt zu.  

Für das Jahr 2014 bezifferte Frank Horst vom Handelsforschungsinstitut EHI bei der Sicherheitstagung des hessischen Handelsverbands in Frankfurt die sogenannten Inventurdifferenzen auf rund 3,9 Milliarden Euro. Davon seien rund 2,1 Milliarden Euro auf diebische Kunden zurückzuführen. Den eigenen Mitarbeitern würden knapp 900 Millionen und Lieferanten sowie Servicekräften würden etwas mehr als 300 Millionen Euro an Warenverlusten im Jahr angerechnet. Die restlichen 600 Millionen Euro entfielen auf organisatorische Mängel. Die durchschnittliche Inventurdifferenz betrage im Handel ein Prozent vom Umsatz.

Die angezeigten Ladendiebstähle sind 2014 laut polizeilicher Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 365.373 Fälle gestiegen. Die angezeigten Ladendiebstähle spiegeln die tatsächlichen Verhältnisse nur sehr eingeschränkt wider, denn die polizeilichen Kriminalstatistiken erfassen nur einen Bruchteil der Taten – die Dunkelziffer liegt nach wie vor bei über 98 Prozent. „Mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle bleiben unentdeckt“, berichtete Horst. Der Grund: Verlängerte Öffnungszeiten plus weniger Personal zur Beaufsichtigung.

Den Lebensmittelhändlern werden dem Institut zufolge vor allem kleine, teure Waren wie Parfüm, Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen oder Tabakwaren geklaut. Bei Bekleidung zeigen Diebe eine Vorliebe für hochwertige Marken und modische Accessoires wie Brillen, Tücher oder Modeschmuck. Im Elektronikhandel zählen Speichermedien, Konsolenspiele und Smartphones sowie deren Zubehör zu den beliebtesten „Klauprodukten“.

Polizei und Handel vereinbaren Kooperation

„Der organisierte Ladendiebstahl nimmt zu“, sagte Horst. Darauf würden die Händler mit Warensicherung, Verringerung der Warenbestände im Regal, Kameraüberwachung und dem Einsatz von Sicherheitspersonal reagieren. Dennoch sei es für den Handel äußerst schwierig, organisierten Diebstahl zu erkennen, zu dokumentieren und die Täter zu überführen. So würden die Kriminellen etwa die Sicherheitsetiketten in Metall packen und somit das Anschlagen der Alarmanlage am Geschäftsausgang verhindern. Zudem würden sie mithilfe von Störsendern die Alarmanlagen lahmlegen. Effizient, aber teuer sei es, auf Sicherheitspersonal in Verbindung mit Kameraüberwachung zu setzen.

Um Ladendieben das Handwerk zu legen, wollen die hessische Polizei und der Handelsverband Hessen enger zusammenarbeiten und haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Im Rahmen der Vereinbarung sollen der Informationsaustausch zwischen Handel und Polizei weiter intensiviert und dem Handel konkrete Handlungsempfehlungen und Tipps für die praktische Arbeit zur Seite gestellt werden.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

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