Lebensmittelhersteller beklagen neue Export-Hürden

Halal-ZertifizierungDie Emirate wollen Halal-Einfuhren aus dem Ausland beschränken. (Foto: Christoph Schulz / Unsplash)

Der Export von Halal-Lebensmitteln wird für deutsche Lebensmittelproduzenten künftig nicht einfacher. Einzelne Zielländer erlassen zusätzliche nationale Halal-Vorschriften. Danach wird nicht jeder Zertifizierer akzeptiert.

Für deutsche Lebensmittelproduzenten wird der Export von Halal-Lebensmitteln in Zukunft deutlich schwieriger. Einzelne Zielländer erlassen spezielle nationale Halal-Vorgaben, die nur durch dort eigens akkreditierte Zertifizierer bestätigt werden können, teilt die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK Hannover) mit. „Die Stoßrichtung solcher zusätzlicher Einfuhrbestimmungen ist klar: Einheimische Produzenten sollen dadurch geschützt, Importe erschwert werden“, sagt Tilman Brunner, Abteilungsleiter International bei der IHK Hannover.

Vorreiter dieses Trends sind demnach aktuell die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE): Die nationale emiratische Standardbehörde ESMA habe festgelegt, ab 1. April 2017 nur noch Halal-Lebensmittel ins Land zu lassen, die über die Zertifizierung durch einen von der ESMA akkreditierten Zertifizierer verfügen. Eine zusätzliche Halal-Kennzeichnung von Lebensmitteln sei künftig ausschließlich nur noch mit dem nationalen VAE-Siegel möglich. Deutsche oder internationale Zertifizierer, die nicht zu den neuen, akkreditierten Partnern der emiratischen Standardbehörde gehören, hätten mit ihren Zertifikaten und Siegeln kein Zugangsrecht mehr in die VAE.

Ähnlich verhalte es sich bei einem weiteren großen Player im Halal-Geschäft, der Standardorganisation MUI in Indonesien. Auch hier werde es 2019 neue verpflichtende, nationale Vorgaben für den Lebensmittelbereich geben.

Der weltweite Halal-Markt für Lebensmittel hat sich laut der IHK Hannover in den letzten Jahren von einem Nischensektor zu einem veritablen Wirtschaftszweig entwickelt. 2015 haben die rund 1,6 Milliarden Muslime weltweit 1.1 Billionen US-Dollar für Lebensmittel ausgegeben. Rund 415 Milliarden US-Dollar wurden davon für Halal-Lebensmittel ausgegeben – von Muslimen und Nicht-Muslimen.

Für die Produzenten und Exporteure von Halal-Lebensmitteln hat die IHK Hannover seit 2011 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich über aktuelle Entwicklungen austauscht.

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.