Mehrkanal-Händler wachsen am stärksten

Michael GerlingNeocom 2015: EHI-Chef Michael Gerling spricht über die Gewinner und Verlierer im Online-Handel. (Foto: Kemal Calik)

Der deutsche Online-Handel bleibt ein Wachstumsmarkt – und die Marktkonzentration steigt weiter. Die künftigen Gewinner sind die, die auf sämtlichen Kanälen glänzen können. 

Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtumsatz der Top-1.000-Onlineshops in Deutschland 32,7 Milliarden Euro (Nettoumsatz) – ein Marktwachstum von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das sagte Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsinstituts EHI, auf der E-Commerce-Messe Neocom. Er präsentierte in Düsseldorf die Ergebnisse der EHI-Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2015″.

Platzhirsch beim Umsatz ist demnach Amazon, der laut Studie 6,6 Milliarden Euro umgesetzt hat. Gerling erwartet, dass der Händler mit seinen Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh künftig auch auf dem deutschen Markt aktiv sein wird. Dann folgen im Ranking Otto mit zwei Milliarden Euro und Zalando mit 870 Millionen Euro. Dahinter sind Notebooksbilliger.de, Cyberport, Tchibo, Bon Prix, Conrad, Alternate und Apple.

Laut dem EHI-Chef ist die ohnehin hohe Marktkonzentration im E-Commerce weiter gestiegen. Ganze 38,1 Prozent des Umsatzes der Top-1.000 würden von nur zehn Unternehmen erwirtschaftet. Die Top-100-Shops machten zwei Drittel und die Top 500 bereits 86,8 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Erfolgsmodell Omnichannel

Die Generalisten stellen mit 13,2 Milliarden Euro Umsatz und 40,5 Prozent den größten Umsatzanteil. Die Fashion-Anbieter setzen mit 5,9 Milliarden Euro 17,9 Prozent des Gesamtumsatzes um, Onlineshops aus dem Bereich Computer, Unterhaltungselektronik und Handys erreichen 12 Prozent. Shops aus allen anderen Hauptproduktsegmenten kommen nur auf geringe einstellige Umsatzanteile.

Mit einem jährlichen Wachstum von über 50 Prozent gehören Zalando und Misterspex zu den Siegern. „Zalando ist ein absolutes Erfolgsmodell“, so Gerling. Es gibt aber auch Verlierer: 367 Onlineshops haben Umsatz verloren.

Onlineshops, die ihren Kunden über mehrere Kanäle begegnen, wie etwa Otto und Cyberport, seien im vergangenen Jahr am stärksten gewachsen. Omnichannel werde damit auch für einstige Online-Pure-Player zum Erfolgsmodell. Heute erwarte der Kunde Omnichannel: Das Versprechen, dem Kunden auf sämtlichen Kanälen ein nahtloses Einkaufserlebnis zu bieten.

 

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.