Nachhaltigkeit, von der alle profitieren

Diskussionsrunde Food-Konferenzvon links: Florian Schütze (Lidl), Josef Stitzl (Hochland), Guido Wolf (Ültje), Andreas Schindler (Don Limon). (Foto: Kemal Calik)

Milchpreis, Time Optimizer und nachhaltige Snacks: Auf der Zukunftskonferenz Food wurde über das globale Vertrauen in die Wertschöpfungskette debattiert.

„Der Kaffee im Laden wird immer teurer, der Kaffee in Kenia immer billiger“, sagte der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer auf der Zukunftskonferenz Food der Universität Witten/Herdecke. Für immer mehr Menschen sei das Heilversprechen Globalisierung nicht aufgegangen. So würden in Indien jedes Jahr 19 Millionen neue Arbeitsplätze benötigt. Er wundert sich daher nicht, dass der Aufstand in den Maghreb-Staaten von jungen, gut ausgebildeten Menschen gemacht wurde.

Die Preise für Lebensmittel sollten mehr die ökologische Wahrheit sagen, forderte der Politiker auf der Tagung. Sprich: sie sollten steigen. Früher habe man in Deutschland die Hälfte des Einkommens für das Essen ausgegeben, heute liege der Wert bei 10 Prozent. Für ihn ist es ein Unding, dass Milch nur 69 Cent kostet. Florian Schütze vom Discounter Lidl sagte, dass Milch ein Rohstoff sei, dass auf dem Weltmarkt gehandelt werde. Sie hätten nichts dagegen, dass Milch beispielweise 1,50 Euro koste. Allerdings müssten sich alle Händler an den Preis halten und der Preis müsse beim Erzeuger ankommen.

„Erst kommt das Fressen, dann die Moral“: Bertolt Brechts Analyse ist anscheinend immer noch nicht ins Wanken geraten. Es werde zwar immer wieder berichtet, dass „Bio boomt“, allerdings liege der Umsatz mit Bio-Produkten im Lebensmittel-Einzelhandel bei nur fünf Prozent, so Schütze. Der Händler sieht bei den Konsumenten drei Megatrends. Der Smart Shopper sei einerseits preisorientiert, andererseits premium-orientiert. Der Digital Native sei immer verbunden, immer online und gut informiert. Der Time Optimizer wolle die verfügbare Zeit optimal nutzen. Für ihn sei das Einkaufen eine Last. Daher wolle er Schlangen an den Kassen vermeiden.

„Wir wollen der nachhaltigste Snack-Hersteller werden“, betonte Guido Wolf von Ültje. 75 Prozent der Erzeuger seien Kleinbetriebe. Das Unternehmen möchte in den Ländern die Leistungsfähigkeit und die Lebensbedingungen verbessern. Aus Eigennutz, da Ültje die Nussproduktion weiter steigern wolle.

Der Obsthändler Andreas Schindler von Don Límon setzt auf Muttersprachler, die sich in den jeweiligen Märkten und mit den Menschen auskennen. Sie sollen Vertrauen zu den Lieferanten aufbauen. Das sei wichtig, um erfolgreich ins Geschäft zu kommen.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.