Online-Supermärkte: Marktanteile bleiben gering

LebensmittelDer Online-Handel mit Lebensmitteln bleibt ein Nischengeschäft. (Foto: Brooke Cagle / Unsplash)

Internet-Supermärkte wie Amazon Fresh machen den stationären Lebensmittelmärkten Konkurrenz. Für die etablierten Händler sind sie in den kommenden Jahren keine Gefahr, sagt ein Handelsexperte.

Der Online-Handel mit Lebensmitteln werde schon 2020 einen Marktanteil von 10 Prozent erreichen, habe vor zwei Jahren eine große Unternehmensberatung vorausgesagt, berichete Dirk Morschett, Handelsexperte von der Schweizer Universität Fribourg auf der Snack 2017 in Frankfurt. Der Wissenschaftler ist eher skeptisch. Zwar habe sich das Angebot in den vergangenen Jahren enorm verbessert und es würden neue innovative Bestellmethoden wie Amazon Dash angeboten. Mit dem Dash-Button lassen sich Produkte auf Knopfdruck bestellen.

Allerdings müsse man sich auch die Kosten für den Anbieter genauer anschauen, etwa für Kommissionierung, Verpackung und Logistik. Da die Margen im deutschen Lebensmittelhandel sehr gering seien, bräuchten die Online-Händler sehr große Warenkörbe um profitabel zu sein. Zudem seien die Liefergebühren eine wichtige Barriere für den Kunden – aber ohne diese Gebühren verliere man bei jeder Lieferung Geld.

Ein weiteres Argument gegen den Online-Handel mit Lebensmitteln sieht Morschett in der hohen Verkaufsstellendichte in Deutschland. Hierzulande würden auf eine Million Einwohner 342 Lebensmittelgeschäfte kommen, in Großbritannien nur 106.

Für Morschett bleibt der Online-Handel mit Lebensmitteln ein Nischengeschäft. Er prognostiziert einen Marktanteil von drei Prozent und sieht in den nächsten fünf bis zehn Jahren keine große Gefahr für den etablierten Lebensmitteleinzelhandel. Dennoch müsse man Amazon Fresh und die anderen Player aufmerksam beobachten.

Für die Lebensmittel-Lieferdienste, die Obst, Gemüse und Fleisch direkt nach Hause bringen, sagt der Handelsexperte ein starkes Wachstum voraus. Von den Plattformen wie Foodora, Lieferheld und Lieferando würden ein bis zwei Anbieter übrig bleiben. „The winner takes it all”, sagte der Forscher auf dem Kongress.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.