Religiöses Schlachten: EU-Staaten dürfen Betäubung vorschreiben

Foto: Frischezentrum Frankfurt

EU-Staaten dürfen das rituelle Schlachten von Tieren ohne Betäubung verbieten, hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Religionsvertreter kritisieren das Urteil.

Derartige Vorschriften verstoßen nicht gegen das Recht auf Religionsfreiheit, urteilte jetzt der Europäische Gerichtshof. Verhandelt wurde über einen Rechtsstreit aus Belgien. In der Region Flandern wurde im Jahr 2017 die Schlachtung ohne Betäubung aus Tierschutzgründen gesetzlich untersagt. Jüdische und muslimische Verbände klagten dagegen. Sie begründeten ihre Beschwerde gegen das Gesetz mit der Einschränkung ihrer Religionsfreiheit.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeigte sich erschüttert über das Urteil und sprach von einem Angriff auf die Religionsfreiheit, berichtet die Jüdische Allgemeine. Es sei geeignet, jüdisches Leben in Europa massiv zu gefährden.

„Das Leben in Europa wird für religiöse Minderheiten immer schwieriger. Gesetzgeber und Justiz überbieten sich beim Thema Tierschutz gegenseitig mit Heuchelei und Verlogenheit“, erklärte Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş. 

In Deutschland sind rituelle Schlachtungen grundsätzlich verboten. Allerdings ist es möglich, Ausnahmegenehmigungen aus religiösen Gründen zu beantragen.