Schächten nicht bio: Religionsvertreter kritisieren Urteil

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Schafe auf dem Feld
Foto: George Hiles / Unsplash

Jüdische und muslimische Organisationen protestieren gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs – und werfen dem Gericht Unkenntnis über das religiöse Schlachten vor.

Halal-Fleisch aus betäubungsloser Schlachtung darf kein Bio-Siegel tragen, hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) kürzlich entschieden. Der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime kritisieren das Urteil.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, schreibt:

„Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist ein Schlag ins Gesicht für die jüdische Gemeinschaft und zeugt von einer großen Unkenntnis über das religiöse Schlachten. Religiöse Schlachtung und ökologische Tierhaltung bzw. Produktion von Fleischerzeugnissen schließen sich keineswegs aus. Die Voraussetzungen für eine Biozertifizierung koscher geschächteten Fleischs hängt von artgerechter Tierhaltung und –transport sowie der Fütterung ab.“

Das Urteil impliziere, dass Tierschutz und größtmögliches Tierwohl bei konventioneller Schlachtung gegeben seien, bei religiöser Schlachtung jedoch nicht. Diese Argumentation entbehre jeder Grundlage. Es gebe keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass die Schechita schmerzhaft sei.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek sagt:

„Die Entscheidung ist nicht nur eine weitere Einschränkung der Religionsfreiheit aus Luxemburg, sondern auch widersinnig, da sie nicht mehr Tierschutz, sondern weniger Tierschutz bedeutet: Denn mit der Verweigerung des EU-Biosiegels für Halal-Fleisch wird im Grunde eine konventionelle, weniger  tiergerechte Haltung der Tiere gegenüber einer Bio-Haltung mit dem hohen Schutzniveau für das Tierschutz der Vorzug gegeben.“

Die Journalistin und Autorin Hilal Sezgin findet das Urteil heuchlerisch. Sie schreibt in der „taz“, dass es weder bei Bio-Fleisch noch bei Halal-Fleisch vorrangig ums Tierwohl gehe, sondern schlicht ums menschliche Fressen.

„Um die anscheinend unstillbaren menschlichen Gelüste nach den toten Körpern anderer Wesen, obwohl wir um Umwelt-, Gesundheits- und ethische Konsequenzen wissen.“

Wenn man bei solch fragwürdigem Tun mit dem Finger auf andere zeigen und sich moralisch über sie erheben könne, umso besser.

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