Schulessen – lecker und halal

Elisabeth Leicht-EckardtElisabeth Leicht-Eckardt ist Expertin für die Ernährungsvorschriften der großen Religionen. (Foto: Kemal Calik)

Was gibt es heute in der Kantine? Schnitzel mit Pommes etwa ist sehr beliebt, kommt aber nicht für jeden Schüler in Frage – aus religiösen Gründen. Die Wissenschaftlerin Elisabeth Leicht-Eckardt hat einige Tipps für die Speisepläne in Deutschlands Schulen.

„Wir können immer alles essen“, sagte Elisabeth Leicht-Eckardt von der Hochschule Osnabrück auf dem Kongress Schulverpflegung in Göttingen. Daher fehle in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass es in anderen Religionen vielleicht anders sein könnte. Zudem sei der Stellenwert der Ernährung bei Religionen, die nicht christlich seien, höher.

Die Muslime würden zwischen erlaubten (halal) und verbotenen (haram) Lebensmitteln unterscheiden. Sie dürfen Fleisch, pflanzliche Produkte und Milchprodukte essen. Schweinefleisch, Blut und Alkohol sind hingegen tabu. Zudem müssen bei den Muslimen die Tiere geschächtet werden. Die Schulen könnten sich beim Fleisch absichern, indem sie Produkte mit einem Halal-Zertifikat kaufen. Der Siegel würde jedoch die Waren teurer machen. Auch sollte man die Kontamination mit nicht geeigneten Speisen unbedingt vermeiden.

„Die Juden unterscheiden zwischen koscher und nicht koscher“, so Leicht-Eckardt. Bei der Zubereitung der Speisen müsse immer eine jüdischer Vertreter anwesend sein. Wie bei den Muslimen ist das Fleisch auch bei den Juden zu schächten. Die jüdischen Speisegesetze schreiben ferner die strenge Trennung von Milchigem und Fleischigem vor.

Rücksicht auf die Religionen ist möglich

Bei den Buddhisten sei es ganz schwierig, da die Speisevorschriften nicht eindeutig festgelegt seien. Manche würden Fleisch essen, manche wiederum lehnen Eier ab. Eine buddhistische Verpflegung sei relativ einfach möglich, wenn man die Speisen nach den Regeln des Islam zubereitet. Noch schwieriger sei der Hinduismus, da hier im Unterschied zu den anderen Religionen die Speisevorschriften nicht für alle Gläubigen gleich sind. Unterscheide ergäben sich aus der Zugehörigkeit zum Kastensystem.

Es ist sicherlich nicht möglich, für jeden Schüler in Deutschland ein individuelles Speiseangebot zu machen. Dennoch: „Wenn man den Willen hat, ist es möglich, ein Speiseangebot für alle Religionen anzubieten“, sagte die Wissenschaftlerin. Leicht-Eckardt empfiehlt eine Hauptküche, in der hauptsächlich vegetarisch gekocht wird. Dieses Essen sei für alle akzeptabel. Für die religiösen Besonderheiten sollten die Schulen getrennte Teilbereiche einrichten. Ferner könnten sie darüber nachdenken, ob sie sich bestimmte Komponenten liefern lassen, etwa koscher-fleischiges Essen.

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.