Türkei: Deutsche Wirtschaft wartet ab

IstanbulDer Bosporus. (Foto: Emre Gencer / Unsplash)

Deutsche Unternehmer brauchen nach der Wahl in der Türkei vor allem Rechtssicherheit, sagt die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer.

Die deutsche Wirtschaft hat die Präsidentschaftswahlen in der Türkei am 24. Juni mit Interesse verfolgt. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen warten nach Einschätzung der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK Türkei) bei Neuinvestitionen derzeit ab und prüfen die Auswirkungen des Wahlergebnisses auf ihre Geschäftsentwicklung vor Ort.

Auf den ersten Blick scheint demnach die türkische Wirtschaft die politischen Turbulenzen der vergangenen Jahre vergleichsweise gut überstanden zu haben. Die Wachstumsraten lagen 2017 mit 7 Prozent bzw. den für 2018 prognostizierten 4,4 Prozent höher als in vielen anderen Schwellenländern.

Bei näherem Hinsehen zeige sich jedoch, dass sich das türkische Wirtschaftswachstum hauptsächlich auf den privaten Binnenkonsum stützt, der durch staatliche Konjunkturprogramme massiv angekurbelt werde. Es bestehe die Gefahr der Überschuldung von Privathaushalten, und für den Staat seien die Konjunkturprogramme sehr teuer. Hinzu komme, dass die Produktion im Land nicht mit der Konsumneigung Schritt halte: So wurden im ersten Quartal 2018 laut türkischem Statistikamt nur 0,5 Prozent mehr Exporte als im Quartal zuvor verzeichnet. Die Importe sind hingegen um 15,6 Prozent gestiegen. Für eine nachhaltige Entwicklung wäre es daher wichtig, so die AHK, nicht nur auf fiskalische Stimuli zur Stärkung des Binnenkonsums zu setzen, sondern die türkische Wirtschaft auf ein breiteres Fundament zu stellen.

Der AHK Türkei zufolge sind über 6.500 deutsche Unternehmen mit mehr als 120.000 Beschäftigten in der Türkei aktiv. Wichtig sei vor allem, dass die türkische Seite Signale sende, die die Rechtssicherheit im Land und damit das Vertrauen ausländischer Investoren in den Wirtschaftspartner Türkei wieder stärken.

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