Türkei: Lebensmittel werden immer teurer

Türkei LebensmittelIn der Türkei sind die Preise für Lebensmittel drastisch gestiegen. (Foto: Malicki Beser / Unsplash)

Die Türkei kämpft mit deutlichen Preissteigerungen. Die Konsumenten zahlen für Lebensmittel etwa 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Regierung reagiert mit der Senkung der Einfuhrzölle.

Konsumenten in der Türkei müssen für Lebensmittel etwa 12 Prozent mehr bezahlen als noch im Jahr zuvor. Um der Verteuerung entgegenzutreten, beschloss die Regierung Ende Juni die Einfuhrzölle auf verschiedene Nahrungsmittel zu senken. So wurde der Zollsatz für lebende Rinder von bisher 135 auf 26 Prozent gesenkt. Das berichtet die Außenhandelsagentur der Bundesrepublik, Germany Trade and Invest (GTAI).

Die Lebensmittelindustrie ist demnach eine wichtige Branche für die Türkei. Sie erwirtschaftet mehr als 10 Prozent des Exporterlöses und beschäftigt rund 450.000 Mitarbeiter in insgesamt 41.000, mehrheitlich kleinen, Betrieben. Nach den Plänen der Regierung soll das Land bis 2023 eine Lebensmittelproduktion im Wert von 150 Milliarden US-Dollar (US-Dollar) erreichen und zum weltweit fünftgrößten Lebensmittelproduzenten aufsteigen.

Das Umfeld für Lebensmittelexporte hat sich nach der weitgehenden Aufhebung der Importsanktionen Russlands verbessert, so die Außenhandelsagentur. Die Ausfuhren von Früchten und Nüssen habe sich ersten Halbjahr 2017 zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar erhöht.

Zweitgrößter Nudelexporteur der Welt

Die Türkei sei nach Italien weltweit zweitgrößter Nudelexporteur. Die Ausfuhren, die 2016 rund 422 Millionen US-Dollar erreichten, stiegen in den ersten vier Monaten 2017 um 22 Prozent. Für das Gesamtjahr 2017 werde ein Exporterlös von 700 Millionen US-Dollar erwartet. Wichtige Zielmärkte seien China, Indien und Russland. Wichtige Branchenunternehmen sind die Nuhun Ankara Makarnasi (Nuh-Gruppe), Barilla und Durum Gida.

Der Markt für Süßwaren und Schokolade soll Schätzungen zufolge im Jahr 2017 um 10 Prozent wachsen (auf TL-Basis). Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in der Türkei entspricht gerade einmal 2,1 Kilogramm pro Jahr und besitzt daher noch ein hohes Wachstumspotenzial, berichtet die GTAI.

Der Markt für rotes Fleisch sei von starken Preissteigerungen gekennzeichnet. Die Produktion ging im ersten Halbjahr 2017 um 2,9 Prozent zurück. Die Mitte 2017 Einfuhrzollsenkungen bei Lebendvieh und Rindfleisch sollen den Preisauftrieb eindämmen. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von rotem Fleisch betrug im Jahr 2016 etwa 14,8 Kilogramm.

Namet plant neue Wurstfabrik

Der jährlich um 5 bis 6 Prozent wachsende Markt für Wurstwaren werde auf jährlich 660 Mio. US-Dollar geschätzt. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrage hier circa 3,6 Kilogramm. Der Großproduzent Namet werde für knapp 50 Millionen US-Dollar in Cayirova eine neue Wurstfabrik errichten, die bis Ende 2018 in Betrieb gehen soll.

Von der für 2017 geschätzten Geflügelfleischproduktion von knapp 2 Millionen Tonnen (2016: 1,8 Millionen Tonnen) werden voraussichtlich etwa 300.000 Tonnen exportiert werden.

Der Verband für Milch und verpackte Molkereiprodukte Asüd weist, so die GTAI, auf das hohe Wachstumspotenzial bei Speiseeis hin. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum beträgt demnach erst 4 Liter (Vergleich: USA 26 Liter, Europa 7 Liter). Der gesamte Jahresumsatz wurde für 2016 auf rund 991 Millionen US-Dollar geschätzt (55 Prozent aus Sofortkonsum, 33 Prozent aus Hauskonsum und 12 Prozent aus Catering).

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Der Verband für verpacktes, stilles Trinkwasser Suder erwarte für das Jahr 2017 einen Absatz von 11,7 Milliarden Liter (2016: 11,3 Milliarden Liter) und einen Umsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar (2016: 1,8 Milliarden US-Dollar). Der Pro-Kopf-Verbrauch liege aktuell bei 149 Litern (68 Liter in kleineren PET- und Glasflaschen und 81 Liter in größeren Behältern).

Der Markt für kohlensäurehaltiges Mineralwasser wachse jährlich um etwa 8 Prozent. Der Verbrauch von 690 Millionen Litern im Jahr soll 2017 auf 745 Millionen Liter steigen. Nach Angaben des Mineralwasserverbandes Masuder betrage der jährliche Pro-Kopf-Konsum in der Türkei zurzeit erst 11 Liter. Dieser sehr niedrige Wert dürfte in den kommenden fünf Jahren auf 25 Liter steigen, ist sich die deutsche Außenhandelsagentur sicher.

Ein wichtiger Mineralwasserproduzent sei die türkische Roter-Halbmond-Gesellschaft Kizilay. Das Unternehmen exportiere in 23 Länder. Wichtiger neuer Zielmarkt sei China.

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