Tierwohl: Verbraucherschützer für verbindliches Siegel

Klaus MüllerStaatliches Tierwohl-Label: Verbraucherschützer Klaus Müller sieht noch Mängel. (Foto: vzbv - Jan Zappner)

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche ein staatliches Tierwohl-Label präsentiert. Die Verbraucherzentralen sind dafür, möchten jedoch ein verbindliches Siegel.

„Die Einführung eines verbindlichen staatlichen Tierwohllabels ist ein wichtiger Schritt für eine bessere Haltung von Nutztieren“, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Ein zentrales und bekanntes Siegel statt eines vielfältigen Siegeldschungels sei auch hilfreich für die Orientierung von Verbrauchern.

„Verbraucher wollen, dass es Nutztieren besser geht und sie sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben“, so Müller. Die Politik müsse endlich verbindliche Rahmenbedingungen schaffen. Ein staatliches Label sei ein erster Schritt für mehr Tierwohl. Hier dürfe man aber nicht stehen bleiben. „Wir brauchen eine EU-weite Haltungskennzeichnung für alle Nutztiere und eine Nutztierhaltungsstrategie, die klar definiert, wie wir die Haltungsbedingungen verbessern können“, fordert der Verbraucherschützer.

Nicht überzeugen kann das Tierwohl-Siegel auch die Umweltorganisation Germanwatch: „Tierwohl hört sich gut an, aber das Tierwohl-Label des Bundeslandwirtschaftsministers greift zu kurz“, sagte Reinhild Benning, Expertin für Landwirtschaft und Tierhaltung bei Germanwatch.

Die Verbraucher wollten kein Tierleid im Stall. Damit sie sich bewusst gegen Produkte aus industrieller Tierhaltung entscheiden könnten, müssten diese beim Kauf leicht erkennbar sein. „Bisher ist das nur bei Eiern der Fall: Der Handel ist gesetzlich verpflichtet, alle Eier mit Ziffern von 0 für das Bio-Ei bis 3 für das Ei aus Käfighaltung zu kennzeichnen“, stellt Benning fest.

Mit den neuen, freiwilligen Tierwohl-Siegel will der Minister Schmidt für bessere Lebensbedingungen in den Ställen sorgen. Das Label soll das Fleisch von Tieren kennzeichnen, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen.

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