Wie sicher ist die Halal Supply Chain?

ENFIT macht sich für globale Standards für die Reinigung von Tanklastern stark. (Foto: Unsplash)

Kennen Sie die Risiken einer gefährlichen Verunreinigung beim Transport unverpackter und loser Halal-Rohstoffe und -Lebensmittel? Ein Expertenbeitrag.

Von Hans-Dieter Philipowski

Ein wichtiger Grundsatz für Halal-Lebensmittel ist, dass die Herkunft und Zusammensetzung der Lebensmittel durchgängig den hohen Halal-Anforderungen entsprechen muss. Das gilt für alle verwendeten Tiere oder Zutaten (Rohstoffe).

Ferner konzentriert sich halal auch auf die einzelnen Verarbeitungs- oder Herstellungsschritte eines Lebensmittels, beginnend mit dem Schlachten, Waschen und Reinigen, Verpacken, Lagern, Transportieren und Verkaufen.

In jedem einzelnen Produktionsschritt muss sichergestellt sein, dass die Unternehmen und deren Personal alle Maßnahmen für die einwandfreie Hygiene, Sicherheit und gute Herstellungspraxis kennen und anwenden. Während der Produktion von Halal-Lebensmitteln muss der Kontakt zu nicht erlaubten Rohstoffen und Lebensmitteln (haram) ausgeschlossen sein.

In vielen nationalen und internationalen Produktionsstätten werden aber auch Produkte und Rohstoffe verarbeitet, die haram sind. Daher ist die strikte Trennung von Halal- und Haram-Produkten wichtig. Die Zertifizierung und Überwachung der Betriebe, die Halal-Produkte produzieren, wird von akkreditierten Halal-Zertifizierungsorganisationen nach internationalen Halal-Standards durchgeführt.   

Trend: gesunde Ernährung, gesunde Nahrungsmittel

Bei der Produktion von Halal-Lebensmitteln dürfen weder Schwein, Schweinederivate, Haram-Gelatine, Säfte, die mit Haram-Gelatine geklärt wurden, Blut oder Alkohol (Wein, Bier oder Spirituosen), verwendet werden.

Andere Verunreinigungen, die durch die unsachgemäße Behandlung der Rohstoffe oder Lebensmittel auftreten können und den Verbraucher gesundheitlichen Schaden zufügen, sind ebenfalls verboten. Hierzu gehören schädliche Verunreinigungen mit zum Beispiel Schimmelpilzen, Prionen, Salmonellen, Chemikalien oder Fremdkörpern, wie Glas, Holz, Metall oder Kunststoffgranulaten. 

Eine gesunde Ernährung und gesunde Ausgangsprodukte spielen auch in der nichtmuslimischen westlichen Welt eine zunehmende Rolle. Viele Menschen achten darauf nur gesunde und sichere Lebensmittel zu sich nehmen. Daher ist es wichtig zu wissen woher kommen die Lebensmittel, beziehungsweise die Rohstoffe? Wie wurden sie angebaut? Welche Düngemittel oder Pestizide wurden beim Anbau verwendet? Über welche Inhalts- und Nährstoffe verfügen die Lebensmittel. Wie steht es um die Nachhaltigkeit von Anbau, Wachstum, Ernte, Produktion und Vertrieb? Wo und wie wurden die Rohstoffe verarbeitet? Wie wird die Kreuzkontamination mit unerwünschten Subtanzen sicher ausgeschlossen und vieles mehr. Auch Nichtmuslime vertrauen auf Gütesiegel, wie sie für halal-zertifizierte Lebensmittel verwendet werden.   

Leider zeigen die täglichen weltweiten Lebensmittelrückrufe das in der Lebensmittelindustrie nicht alles perfekt funktioniert. Kontaminationen mit Schadstoffen, Fremdkörpern, Krankheitskeimen oder falsch deklarierten Allergenen, oder einfach nur Lebensmittelbetrug (Food Fraud) nehmen spürbar zu. 

Blindes Vertrauen

Die heute existierenden Halal-Standards sind sehr hoch und umfassen bereits viele relevante Punkte in der gesamten Prozesskette. Die Zertifizierung nach den internationalen Standards und die regelmäßigen Kontrollen in den verarbeitenden Lebensmittelbetrieben werden sachgemäß und umfassend ausgeführt. Da gibt es kaum Lücken. Lediglich die Transportwege sind wohl für die Zertifizierer bisher nicht durchschaubar gewesen.

Die meisten Produktionsbetriebe, Zertifizierungs- und Kontrollorgane verlasen sich fast blind darauf, dass sämtliche Rohstoffe und Lebensmittel sicher und ohne Risiken von der Urproduktion über die einzelnen Verarbeitungsschritte bis in den Handel gelangen. Heutige Rückverfolgungssysteme wiegen die Beteiligten in scheinbare Sicherheit. Sie scheinen in der Lage zu sein, Produkte vom Supermarkt bis zur Urproduktion – quasi von Farm to Fork – lückenlos rückverfolgbar zu machen. Aber, stimmt das wirklich?

Nein! Denn eines können diese Systeme alle nicht. Sie sind weder in der Lage Mängel in den einzelnen Verarbeitungsschritten festzustellen, noch können Sie die Risiken die beim Transport von Rohstoffen und Lebensmitteln auftreten, erfassen oder sogar eliminieren. Mit den bestehenden Systemen werden weder die Transporte zwischen den Produktionsstufen, noch die Transportbehälter und deren Vorladungen, die Reinigung und/oder Desinfektion, erfasst.

Sichere Supply Chain

Hier setzt ENFIT mit der ENFIT B2B Blockchain Cloud Technologie neue Maßstäbe. Mit dieser Technologie werden sämtliche Transportbehälter global mittels der ENFIT GID, einem speziell entwickelten Label, identifiziert und alle Schritte in der Supply Chain vollständig erfasst und abgebildet. 

Als erster internationaler Verband ENFIT – International Association – Supply Chain Safety – arbeitet der Verband bereits im zweiten Jahrzehnt mit seinen Expertinnen und Experten daran die Risiken, die beim globalen Transport von Rohstoffen und Lebensmitteln auftreten können, zu identifizieren, bei den Verantwortlichen bekannt zu machen und Lösungen in Form von verbindlichen internationalen Standards für die beteiligten Stakeholder zu entwickeln.

Hierzu gehören der ENFIT HQF-High-Quality-Food Zertifizierungsstandard für Reinigungsanlagen, die europäische und internationale Guideline Food Safety in der Supply Chain, die Entwicklung internationaler ENFIT-Reinigungsverfahren- und -standards, die ENFIT GID – Globale Behälter-Identifikationsnummer zur Identifizierung aller Transportbehälter, deren Vorladungen, der regelmäßigen Prüfung ob Lebensmittel-Transportbehälter für Lebensmittel geeignet sind und der lückenlosen Rückverfolgung aller Prozesse die mit dem Transportbehälter in Verbindung stehen, sowie das ENFIT B2B Blockchain Innovationsprojekt, das seit Anfang 2019 erfolgreich im Feldversuch getestet und optimiert wird.

Lebensmitteltransport – Was bedeutet das?   

Der Transport von Rohstoffen und Lebensmitteln scheint in der gesamten Lebensmittelkette normal und einfach zu sein. Die meisten denken sicher sofort daran, wie verpackte Waren auf einer Palette oder einem Rollwagen vom LKW in den Supermarkt gerollt werden.

Allein in Europa werden täglich mehr als 250.000 Tonnen unverpackte Rohstoffe, Halbfertigwaren und Lebensmittel unverpackt in Lebensmittel-Transportbehältern transportiert. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber wie schnell es beim Transport unverpackter Produkte in Tankwagen, Silofahrzeugen, Tankcontainern, Kesselwagen oder in Kühl- oder Kofferfahrzeugen zu gefährlichen Verunreinigungen mit Resten der Vorladungen, Keimen, Viren oder nicht vollständig ausgespülten Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, kommen kann.

2018 05 24 ENFIT Leaks and risks in transport 678x381 - Wie sicher ist die Halal Supply Chain?

Kaum Jemand kennt die Gepflogenheiten der Branche, wie und unter welchen zum Teil haarsträubenden Bedingungen Transporte durchgeführt werden. Keiner weiß so genau, wie nach einem Ladungswechsel Transportbehälter gereinigt und desinfiziert werden. Nach welchen Standards und Qualitätskriterien? Es bleibt den meisten Menschen verborgen, dass in einem Lebensmittel- Transportbehälter, der nach den einschlägigen Gesetzen als solcher dauerhaft mit einer Kennzeichnung „Food Stuff Only“ oder „Nur für Lebensmittel“ zu kennzeichnen ist, häufig auch Chemikalien oder Futtermittel transportiert werden. Futtermittelrohstoffe sind nicht selten mit Salmonellen verseucht.

Der Grund dafür: Gnadenloser Kostendruck auf die Logistik. Ausgeübt durch die Industrie, die nicht erkennt oder erkennen will welche Auswirkungen das auf die Lebensmittelsicherheit und auf die Qualität der eigenen Produkte hat. Wie ist es möglich, dass hochintelligente Menschen und Fachleute in der Industrie kaum in der Lage sind zu erkennen, dass die täglichen Rückrufe wegen Kunststoffgranulaten oder Salmonellen in Lebensmitteln auch etwas mit dem Transport ihrer Rohstoffe zu tun haben könnten?

Um sich dem ruinösen Druck der Industrie zu wiedersetzen, haben viele Logistiker einen eigenen Weg gefunden. Der heißt: Intransparente Realitäten. Der angebliche Nachweis einer Transport- und Reinigungsqualität regelt sich über Zertifikate und Dokumente. Wir alle wissen – Papier ist geduldig. Einem Zertifikat oder Dokument sieht man nicht an, ob das, was im Hintergrund passiert qualitativ hochwertig, wahrheitsgemäß und nachhaltig ist oder nicht.

Hier stecken die Risiken. Besonders dann, wenn die Industrie nicht bereit ist für notwendige Prozesse, wie der professionellen Reinigung und Desinfektion von Lebensmittel-Transportbehälter, transparente Rückverfolgung aller Prozesse etc.  einen fairen Preis zu bezahlen.

Wie sollen sich Logistiker verhalten, wenn sie im Wettbewerb überleben wollen?  Qualität kann es nun einmal nicht zum Nulltarif geben. Hier steckt das Dilemma. ENFIT hat sich entschlossen durch seine Aufklärungsarbeit dafür zu sorgen, dass sich das Bewusstsein über diese Zusammenhänge und damit das Handeln der beteiligten Stakeholder grundlegend verändert. Das ist ein langer und mühsamer Weg.   

Transport in der Praxis

In einem Tank- oder Silofahrzeug werden in der Regel selten die gleichen Produkte nacheinander transportiert. Es ist üblich, dass ein Tankwagen in Hamburg mit Fruchtsaftkonzentrat beladen wird, um diesen nach Bayern zu transportieren. In Bayern wird die Ware bei einem Abfüllbetrieb entladen.

Nach der Entladung sucht der Logistiker möglichst in der Nähe der Entladung oder der nächsten Beladung eine, der rund 800 Behälter-Reinigungsanlagen in Europa, auf und lässt den Tank, in dem noch Reste der Ladung sind, dort reinigen. Im Anschluss an die Reinigung erhält der Logistiker als Naschweis für die Reinigung ein Reinigungsdokument und fährt damit zur nächsten Beladestelle, um hier zum Beispiel flüssige Schokolade zu laden.

2018 11 28 Plastic Granulate Milk powder 678x381 - Wie sicher ist die Halal Supply Chain?

In der Regel ist den Beladestellen nur wichtig, dass der Logistiker ein solches Dokument vorlegen kann. Eine Prüfung, ob der Tank vor der Beladung in einem hygienisch einwandfreien Zustand ist oder nicht, ob die Information über die letzten Vorladungen richtig oder falsch sind, kann der Operator an der Beladestelle nicht durchführen.

Auf den ersten Blick scheint das ein sicheres und gängiges System zu sein. Es wird gereinigt und dokumentiert. Qualität gesichert. Fertig!

Leider ist das nur auf dem ersten Blick so. Aufgrund des enormen Preisdrucks aus der Industrie versuchen Logistiker auf zusätzliche Kosten, wie sie für eine hygienische Reinigung notwendig wären, weitestgehend zu verzichten. Im Markt hat sich das Stück Papier, das EFTCO-Cleaning Document, das scheinbar Qualität und Sicherheit vermittelt, etabliert.

Daher konzentrieren sich alle auf dieses Stück Papier. In den Verträgen, die die Industrie mit Logistikern abschließt, wird natürlich auch eine perfekte Reinigung gefordert, außerdem geht man davon aus, dass jeder den Gesetzen Folge leistet. Am Ende ist die Industrie nicht in der Lage Abweichungen wirklich festzustellen. Wie sollte das auch funktionieren? Stellen Sie sich vor. Sie erhalten eine Lieferung Milchpulver in einem Silo-Transportbehälter. Wie wollen Sie als Empfänger feststellen, dass in diesem Silo vorher gesetzeswidrig Kunststoffgranulat transportiert wurde, wenn das nicht als Vorladung deklariert wurde? Unmöglich. Leider tägliche Praxis. Siehe Beispiel.

Dokumente bieten keine Garantie

In den letzten zwanzig Jahren hat sich, wie wir es nennen ein „NICHT-System“ etabliert. Logistiker haben auf Druck der Industrie vor knapp fünfundzwanzig Jahren einen Verband gegründet, der ein eigenes europaweites Reinigungsdokument „ECD EFTCO Cleaning Documet“ entwickelt hat. Dies wird auch heute noch von zirka 80 Prozent der Logistiker genutzt und von der Industrie als Nachweis für eine sachgerechte Reinigung anerkannt. Warum? Weil niemand das Kleingedruckte liest oder versteht was das bedeutet.

Bisher haben nur wenige Verantwortliche in der Industrie und den beteiligten Zertifizierungsgesellschaften erkannt, dass hinter diesem nett aussehenden EFTCO-Reinigungsdokument kein definierter Reinigungsstandard steht. Um eine Reinigung zu dokumentieren werden von vielen Reinigungsanlagen, die Mitglied der EFTCO sind, „EFTCO-Reinigungscodes“ verwendet. Diese Codes sagen jedoch nichts Konkretes aus und bilden kein standardisiertes Reinigungsverfahren ab. 

So gibt es zum Beispiel den Code „P10“ der „heißes Wasser > 60°C“ bedeutet. „C01“ bedeutet „alkalisches Reinigungsmittel“. „F30“ bedeutet „getrocknet“. Ohne Angabe der Details und ohne Nachvollziehbarkeit der einzelnen Prozessschritte. Jeder macht was er will.

Selbst ein einfacher Geschirrspüler funktioniert dagegen professionell und perfekt. Definierte Reinigungsprogramme (Auswahl je nach Verschmutzungsgrad), definierte Reinigungsmittelmenge (Tablette mit allen notwendigen Inhaltsstoffen, Enthärter-Salz, Klarspüler), definierte Programmschritte mit Zeiten und Temperaturen, Vorspülen und Einweichen, Hauptspülgang, Nachspülen, Dämpfen und Trocknen – fertig!

Niemand käme auf die Idee den Prozess vorzeitig abzubrechen. Das eine ordnungsgemäße Geschirrreinigung ohne weiteres 1,5 bis 3 Stunden dauert, wird von jedem akzeptiert. Bei der Reinigung eines kompletten Tankfahrzeuges ist alles was länger als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt zu aufwendig und zu teuer. Der Durchschnittliche Marktpreis für eine Transportbehälter Reinigung liegt bei 100 Euro. Die professionelle und hygienische einwandfreie Reinigung eines kompletten Tankwagens müsste im Mittel mindestens eine Stunde in Anspruch nehmen und zirka 200 Euro kosten.

Werden in einer Produktion Verarbeitungsmaschinen, Rohrleitungen und Behälter gereinigt, so folgen die Experten klar definierten Prozessschritten mit allen dazugehörigen Parametern, wie Temperatur, Zeiten, Konzentrationen, Verfahren.  Am Ende wird das Ergebnis kontrolliert. In regelmäßigen Abständen werden die Prozesse validiert und bei Abweichung verifiziert.

So funktioniert eine professionelle und sichere Reinigung.

EFTCO-Reinigungscode für koscher und halal

Vom EFTCO-Verband wurden dazu vor knapp zwanzig Jahren zwei Reinigungscodes festgelegt. „P26 – Kosher-Verfahren“ und „P27 – Halal-Verfahren“. 

Auch hier scheint es sich auf dem ersten Blick um etwas definiertes zu handeln. In der Praxis bedeuten diese Codes nichts.  Lediglich P 26 – Kosher-Verfahren bedeutet in Absprache mit einigen Rabbinern, dass nach einer Reinigung (wie auch immer diese durchgeführt wurde) der Transportbehälter für 30 Minuten mit Dampf behandelt wird.

Damit ist aber nicht definiert, wie und mit welcher Qualität die Reinigung erfolgte, wie und womit gedämpft wurde. Dampf ist nicht gleich Dampf. Da kommt es auf die Dampfmenge an (kg Dampf/h), die Dampftemperatur (überhitzter Dampf, Sattdampf oder Nassdampf) und der Art und Weise wie der Dampf in den Tank eingeleitet wird. Zum Beispiel mittel Schläuche von oben durch die Mannlöcher (sind diese beim Dämpfen geöffnet oder geschlossen), oder über die Ablaufleitungen etc. Wird dabei nur der Tankinnenraum gedämpft, oder werden Bodenventile, Rohrleitungen oder Schläuche einbezogen? Hier bleiben viele Fragen offen und man könnte meinen, eine Reinigung nach dem Code P26 – Kosher-Verfahren bedeutet lediglich „es hat ordentlich gedampft“.  

Für den Code P27 – Halal-Verfahren gibt es bis heute von der EFTCO keine Definition. Da fragen wir uns schon, wer hat das jemals geprüft und wie kann es möglich sein, dass Produktionsstätten nach Halal-Standard zertifiziert werden, ohne dass die Zertifizierer den Wareneingang in die Überprüfung und Risikobetrachtung einbezogen haben? 

Rechtlich auf der sicheren Seite

Wie kann ein Reinigungsdokument, das „ECD-EFTCO-Cleaning-Document“, eine solche Verbreitung und Akzeptanz in Europa finden? Wie ist es möglich, dass dieser „NICHT-Standard“ auch durch die Akzeptanz durch die Zertifizierungsgesellschaften, die sich dieses Dokument bei ihren Audits zeigen lassen und für gutheißen, zum scheinbaren Qualitätsstandard erhoben wird? Warum gibt es dagegen keine rechtliche Handhabe?

Ganz einfach. Logistiker und Reinigungsanlagen sind rechtlich auf der sicheren Seite. Sie haben nichts versprochen, was sie nicht gehalten haben. Schauen Sie sich ein solches Dokument einmal näher an.

Das heißt es im Kleingedruckten: „Die Reinigungsanlage und der Fahrer bestätigen mit ihrer Unterschrift welche Leistungen die Reinigungsanlage ausgeführt hat“.

Bleiben wir bei unserem Beispiel: „P10“ bedeutet lediglich, dass „heißes Wasser >60°C“ verwendet wurde. „C01“ „alkalisches Reinigungsmittel“ verwendet und „F30“ „Tank getrocknet“. Mehr wird nicht bestätigt.

Es stellt sich sowieso die Frage, wie kann der Fahrer so etwas mit seiner Unterschrift bestätigen? In der Regel muss der Fahrer die Reinigungsanlage während der Reinigung verlassen. Er kann also weder Temperaturen, noch Zeiten, noch Verfahren bestätigen. Woher soll der Fahrer wissen, welches Reinigungsmittel verwendet wurde? Dennoch unterschreibt er.

Skandalöses Vorgehen

Oftmals finden sie auf diesen Reinigungsdokumenten auch einen Vermerk zu den letzten drei Vorladungen/ Vorprodukten. Da heißt es dann: „Vorladungen laut Fahrerangabe“. Und dann werden drei Vorladungen aufgezählt. Glauben Sie, dass der Fahrer ein Produkt, das haram ist, nennen wird, von dem sein Chef weiß, dass er dann nicht beladen wird? Sehr unwahrscheinlich. Um das noch einmal deutlich zu machen. Der Fahrer handelt mit Sicherheit nicht in seiner Verantwortung, sondern in der Verantwortung seines Chefs, der ihm den Auftrag dafür gibt. 

Für uns ist diese Vorgehensweise skandalös.

Nach diesem ersten Satz im Kleingedruckten folgt ein zweiter Satz. Und dieser hat es nun wirklich in sich. Dieser lautet: „Der Tank ist sauber nach EFTCO-Definition“.

Auf dem ersten Blick scheint das in Ordnung zu sein. Eine Garantie für einen sauberen Behälter. Leider weit gefehlt. Sie können sich davon selber überzeugen. Gehen Sie dazu auf die Website „EFTCO.org“. Da dürften Sie nach einigem Suchen folgende Definition finden:

 „…Der Behälter ist sauber, wenn bei der Inspektion durch das Mannloch im Behälter keine optische Verschmutzung zu sehen ist und kein produkt- oder reinigungsmittelspezifischer Geruch wahrzunehmen ist…“

Der Industrie ist es offensichtlich bis heute verborgen geblieben, dass dies keine Garantie für eine qualitativ hochwertige und hygienische Reinigung ist. Keime und Viren können Sie nicht sehen. Es sagt ihnen nichts darüber aus, ob die Schläuche, Pumpen, Ventile, Rohrleitungen, Belüftungsleitungen, Entleerungsleitungen, Filter oder sonstige Anbauteile des Transportbehälters in einem hygienisch einwandfreien Zustand sind.

Mit anderen Worten: Diese Reinigungscodes und Reinigungsdokumente der EFTCO sagen nichts, aber auch wirklich nichts aus und die Industrie übernimmt damit das volle Risiko aus dem Transport ohne sich dessen bewusst zu sein.

ENFIT schafft verbindliche Standards

ENFT geht seit Jahren einen anderen Weg. Unser Ziel ist es, die Supply Chain sicherer zu machen. Und zwar im Interesse aller Beteiligter: Industrie, Logistik, Reinigungsanlagen und Verbraucher. Nur dann, wenn allen Beteiligten klar ist, wo die Risiken liegen, können notwendige Veränderungen zu einer Verbesserung der Situation führen. Dazu hat ENFIT in der European Working Group – Food Safety in der Supply Chain – europäische und internationale Standards für die:

  • Reinigung und Desinfektion, Reinigungsprozesse und aussagefähige Reinigungsdokumente,
  • Beladung und Entladung,
  • DIN 10 502-1 Prüfung (Lebensmittel Eignungsprüfung für Lebensmittel-Transportbehälter),
  • Globale Identifikation von Lebensmittel-Transportbehältern (ENFIT GID),
  • Food Defense (Verwendung digitaler Sicherheitsplomben)
  • Traceability mit Blockchain Cloud Technologie.
  • Manipulationsfreie Identifikation von Vorladungen und Allergenen
  • Rückverfolgbarkeit aller Prozessschritte
  • Empfehlung geeigneter validierter ENFIT Reinigungsverfahren
  • Transfer digitaler Frachtpapiere

entwickelt. 

Diese neuen Standards setzen wir zielgerichtet um. Nur wenn wir gemeinsam an diesen Herausforderungen arbeiten, wird es uns gelingen Lebensmittelsicherheit, Transparenz und Ehrlichkeit zu gewährleisten. Für jeden Produzenten, jeden Logistiker und Reinigungsanlage eine gute Chance die eigene Leistungsfähigkeit in ein rechtes Licht zu rücken. Transparenz, Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit sollte belohnt werden – und zwar von uns allen.  

2020 03 05 HALAL Übersicht Reinigungsverfahren Kosten 678x381 - Wie sicher ist die Halal Supply Chain?

Als erster internationaler Verband wird ENFIT die Anerkennung der ENFIT Halal Cleaning Procedures bei den führenden Halal-Organisationen, wie World Halal Council (WHC), World Halal Food Council (WHFC), Organization of Islamic Cooperation (OIC), The Standards and Metrology Institute for the Islamic Countries (SMIIC), Emirates Authority for Standardization & Metrology (ESMA), beantragen.

Hans Dieter Philipowski ENFIT 150x150 - Wie sicher ist die Halal Supply Chain?

Der Autor ist ENFIT-Präsident.
Kontakt: philipowski@enfit.eu, Tel. +49 172 409 36 70
(Foto: ENFIT)