„Wir brauchen couragierte Unternehmer“

Oguz Yusuf EvlerYusuf Oguz Evler hat den Halal-Supermarkt auf der ISM in Köln organisiert. (Foto: privat)

Food-Experte Yusuf Oguz Evler ist Initiator der Schau Halal-Supermarkt auf der diesjährigen Süßwarenmesse ISM. Ein Gespräch über maue Halal-Angebote in den Supermärkten, verlässliche Zertifikate und mutige Händler.

Herr Evler, in diesem Jahr gibt es auf der Süßwarenmesse ISM in Köln eine Premiere. An einem zentralen Ort zeigen Sie Halal-Produkte. Warum?
Wir wollen den Fachbesuchern eine Anlaufstelle anbieten, wo sie sich einen Überblick über die neuesten Halal-Produkte und Trends verschaffen können. Auch möchten wir den deutschen Einzelhändlern zeigen, dass man mit einem durchdachten Halal-Sortiment guten Umsatz machen kann. Zudem können die Besucher an unserem Stand die Bandbreite an Halal-Siegeln sehen. Diese Vielzahl ist allerdings für die deutschen Händler verwirrend und stellt für sie eine große Hürde dar.

Müssen die Aussteller Ihnen ein Halal-Zertifikat vorweisen?
Ja. Die Aussteller müssen uns vorher ihr Siegel vorlegen. Da sich jedoch die Halal-Normen der Zertifizierer unterscheiden können, können wir uns nicht immer auf die Siegel verlassen. Die Beweislast liegt daher beim Hersteller.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Halal-Süßwaren und -Snacks und herkömmlichen Produkten?
In den Halal-Waren darf vor allen Dingen keine Schweinegelatine oder Alkohol enthalten sein. Da die Muslime auch auf sämtliche Hilfs- und Zusatzstoffe strenger achten, sind diese Produkte bisweilen ebenso für Veganer und manchmal Lebensmittelallergiker geeignet.

Können Deutschlands Muslime mittlerweile in jedem deutschen Supermarkt Halal-Süßwaren kaufen?
Ja. Aber noch nicht flächendeckend. Unsere europäischen Nachbarländer sind da schon weiter. Das Angebot in den deutschen Supermärkten ist eher mau. Aus Angst, deutsche Käuferschichten zu verschrecken, halten sich die Händler mit Halal-Produkten zurück. Was sie dabei vergessen ist, dass etliche Halal-Waren in Europa hergestellt werden. Oft liegt das gleiche Produkt in den Regalen – nur ohne Halal-Siegel. Hinsichtlich Halal müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten. Es bedeutet nicht „Islam“, sondern bezeichnet das Gute, das Erlaubte. Also: Respekt vor der Schöpfung, gesunde Tiere, gesundes Essen für den Körper und die Seele.

Nach meiner Kenntnis ist Ihnen ein wichtiger Aussteller kürzlich abgesprungen. Was waren seine Gründe?
Leider ja. Die feigen Anschläge der Extremisten haben dazu geführt, dass man die mehrheitlich friedliebenden Muslime hierzulande unter Generalverdacht stellt. Jetzt befürchten Hersteller, die ihre Halal-Produkte mit einem Siegel versehen, einen Imageschaden oder Beschwerden. Diese Bedenken kann man verstehen. Allerdings hilft uns das nicht, sondern treibt die Spaltung der Gesellschaft voran. Derzeit verzichtet der Handel auf Umsätze in Millionenhöhe. Gefragt sind daher couragierte Unternehmer, die sich den Bedürfnissen der Verbraucher anpassen können. Die Struktur der Bevölkerung in Deutschland hat sich erheblich verändert. Dem müssen die Händler ebenso Rechnung tragen.

Zur Person: Yusuf Oguz Evler ist CEO von DTFood Ambassador, einem Beratungsunternehmen, das sich auf den internationalen deutsch-türkischen Lebensmittelhandel spezialisiert hat.

Interview: Kemal Çalık

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.

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