Zahl der Insolvenzen stagniert weltweit

Pleiten qeltweitIn Schwellenländern melden mehr Unternehmen Konkurs an. (Foto: Unspash/ Taylor Nicole)

Im kommenden Jahr werden weltweit 300.000 Unternehmen Konkurs anmelden – vor allem die Schwellenländer schwächeln. Die Aussichten für Deutschland sind auf den ersten Blick relativ gut. 

Der Kreditversicherer Euler Hermes prognostiziert  in seiner aktuellen Insolvenz-Studie für 2016 eine Trendwende bei den weltweiten Fallzahlen: Erstmals nach sechs Jahren der rückläufigen Pleiten wird dieser Trend im kommenden Jahr unterbrochen. Die Volkswirte des Versicherers rechnen 2016 mit unveränderten Fallzahlen und weltweit rund 300.000 Insolvenzen.

Ursache für diese negative Entwicklung sind demnach vor allem die Schwellenländer – insbesondere Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, die sogenannten Brics – die mit zahlreichen Problemen kämpfen und teilweise einen starken Anstieg bei Zahlungsausfällen und Insolvenzen hinnehmen müssen.

Die Kluft zwischen Industrie- und Schwellenländern vertieft sich 2016, sowohl beim Zahlungsverhalten als auch bei den Insolvenztrends. In den Schwellenländern rechnet Euler Hermes 2016 mit durchschnittlich 4 Prozent mehr Insolvenzen. In der Region Asien-Pazifik sind es 10 Prozent. Hinter Negativrekordhalter China (plus 20 Prozent in 2016) bergen im kommenden Jahr Brasilien (plus 18 Prozent), Taiwan, Singapur und Hongkong (jeweils plus 15 Prozent), Kolumbien und Chile (jeweils plus 11 Prozent) sowie Südafrika und Marokko (jeweils  plus 10 Prozent) das höchste Risiko für deutsche Exportunternehmen.

Deutschland robust

In Deutschland sinken Insolvenzen nach Ansicht des Kreditversicherers um rund 2 Prozent im kommenden Jahr. Auch das restliche Westeuropa (minus 5 Prozent im Durchschnitt) erfreut sich rückläufiger Fallzahlen – einzig Großbritannien (plus 5 Prozent), Finnland (plus 2 Prozent), die Schweiz (plus ein Prozent) schwimmen gegen den Strom; Österreich und Griechenland stagnieren auf dem Niveau von 2015.

Trotz der sukzessiven Erholung in Westeuropa, verzeichnet die Region jedoch weiterhin ein gutes Drittel mehr Insolvenzen (34 Prozent) als noch vor der wirtschaftlichen Krise (2003-2007); zwei von drei Ländern liegen bei den Fallzahlen unverändert über dem damaligen Niveau. In Osteuropa führen Bulgarien (plus 10 Prozent) und die Türkei (plus 6 Prozent) im kommenden Jahr das Negativ-Feld bei den steigenden Insolvenzen an.

„Die Aussichten für Deutschland sind auf den ersten Blick relativ gut bei einem erwarteten Rückgang der Insolvenzen im kommenden Jahr um zwei Prozent“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. „Allerdings ist die Entwicklung branchenübergreifend heterogen. Zudem ist in der Exportnation Deutschland kaum ein Unternehmen nur im Inland tätig – im Gegenteil.“ Der wichtigste Handelspartner der Deutschen, Nachbarland Frankreich, verzeichne zwar 2016 eine leichte Erholung bei den Insolvenzen. „Die Franzosen kämpfen allerdings weiterhin mit sehr hohen Fallzahlen, nicht weit entfernt von der Rekordhöhe der vergangenen Jahre“, bemerkte Krings.

 

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Weltkarte: Insolvenzprognose 2016

 

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Über den Autor

Kemal Calik
Chefredakteur des globalen Online-Wirtschaftsmagazins HALAL-WELT. Für die Publikation schreibt er über Lebensmittel, Tourismus, Kosmetik, Finanzen und Digital Commerce. Er hat zuvor als Redakteur unter anderem für das "Börsenblatt", "Der Handel" und "CYbiz" gearbeitet.